Aufklärung und Medikamente retten Leben. Die Initiative „Bist du auch allergisch?!“ rückt das Thema Allergien in die Öffentlichkeit. Warum das notwendig ist, erläutert Prof. Dr. Torsten Zuberbier, Leiter der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) mit Sitz an der Berliner Charité.

Warum wurde „Bist du auch allergisch?!“ ins Leben gerufen? Fehlt es an Aufklärung?

Unbedingt, Erzieher und Lehrer, aber auch Mitschüler, Eltern und die betroffenen Kinder selbst brauchen Informationen, um richtig mit der Erkrankung umzugehen. Obwohl Allergien die häufigste chronische Erkrankung sind, werden nur etwa zehn bis 20 Prozent richtig behandelt.

Nachhilfe statt Medikament? Das muss heute wirklich nicht mehr sein.

Wie wird aktuell mit dem Thema Allergie in der Öffentlichkeit und an Schulen umgegangen?

Kinder mit schweren Allergien stoßen hierzulande vielfach auf das Problem, dass Lehrer und Erzieher nicht bereit sind, Medikamente zu geben. Im Notfall darf jeder Medikamente verabreichen und ist auch zur Ersten Hilfe verpflichtet.

Wo liegen besondere Gefahren?

Es sterben noch immer Kinder an Nahrungsmittelallergien – das ist durch Aufklärung vermeidbar. Wenn in Schulen Adrenalinspritzen und andere Notfallmedikamente bereitlägen, wäre es ein Leichtes, Leben zu retten. Allergien haben auch Auswirkungen auf das Wohlbefinden und auf das Lernen. Etwa 40 Prozent der allergiebetroffenen Kinder fallen mit ihren schulischen Leistungen ab, wenn sie keine Behandlung bekommen.

Neue, nicht müde machende Medikamente eröffnen hier viele Möglichkeiten. Man kann Kindern viele Beeinträchtigungen ersparen, die sie ohne geeignete Therapie erleiden müssten.

Was kann eine Allergie für das Umfeld und auch für die soziale Entwicklung der Kinder selbst bedeuten?

Allergiebetroffenen Kindern hilft, wenn andere Kinder für ihre Situation Verständnis haben, sie nicht auslachen oder hänseln. Bei gefährlichen Allergien, meist betrifft das Nahrungsmittelallergien, muss sensibilisiert werden, nicht aus Spaß oder Unwissenheit ein bestimmtes Nahrungsmittel weiterzugeben. Das kann schnell weitreichende Konsequenzen haben.

Was erhoffen Sie sich mit dem Projekt?

Wir bieten Hilfestellung zur Selbsthilfe. Das Buch 'Enno und die Juckgespenster' ist zum Vorlesen und gleichzeitigen Betrachten der Bilder gedacht, auch vor größeren Gruppen, und soll möglichst viele erreichen. Wir möchten auch Öffentlichkeit gewinnen. Das Gute an Allergien ist, dass man sie behandeln kann. Man muss es nur tun.