Was sind neuste wissenschaftliche Erkenntnisse, wenn es um das Thema Allergieprävention bei Kindern geht?

Wir wissen, dass Allergieentstehung wesentlich von genetischen Faktoren, aber auch von Umweltfaktoren beeinflusst wird. Dabei gibt es kein einzelnes genetisches Merkmal, das für die Entstehung von Allergien verantwortlich ist, sondern eine Vielzahl von Merkmalen, die unterschiedlich agieren. Vereinfacht ausgedrückt: Eltern, die an einer Allergie leiden, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, ein Kind mit allergischen Erkrankungen zu bekommen.

Das genetische Risiko für eine Allergie wird dann durch die Umwelt beeinflusst. Für diese Einflüsse aus der Umwelt sind die neuesten Empfehlungen zur Allergievorbeugung gedacht, die überarbeitet und im letzten Jahr aktualisiert worden sind.

Bitte gehen Sie näher darauf ein.

Prävention beginnt bereits intrauterin beim ungeborenen Kind. Während der Schwangerschaft sollte die werdende Mutter sich vielseitig und ausgewogen ernähren. Spezielles Meiden „allergener“ Nahrungsmittel wird im Gegensatz zu früher nicht mehr empfohlen.

Eine sogenannte mediterrane Ernährung mit viel Gemüse und Fisch hat im Vergleich sogar eine schützende Wirkung. Eine natürliche Entbindung ist im Vergleich zur Kaiserschnittentbindung mit einem niedrigeren Allergierisiko assoziiert.

Die beste Ernährung für ein Baby in den ersten vier Lebensmonaten bleibt Muttermilch. Ist Stillen nicht möglich, sollte eine der Muttermilch angepasste Säuglingsmilch gefüttert werden. Kinder mit einem familiären Allergierisiko, die nicht gestillt werden, sollten eine spezielle (HA-)Nahrung mit aufgespaltenen Eiweißen (Hydrolysate) erhalten.

Jenseits des frühen Säuglingsalters sollte die Beikost vielseitig sein – das Meiden klassischer allergieauslösender Lebensmittel steigert möglicherweise sogar das Risiko, an einer Allergie zu erkranken.

Macht es auch einen Unterschied, wo Kinder aufwachsen?

Studien belegen, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen und frühzeitig mit entsprechenden Mikroben Kontakt haben, weniger zu Allergien neigen. Das ist die sogenannte Hygienehypothese. Die Nähe zu verkehrsreichen Straßen erhöht dagegen das Risiko.

Was für eine Rolle spielt das Thema Rauchen bei der Allergie- und Asthmaprävention?

Rauchen in der Schwangerschaft hat unendlich viele schädliche Effekte auf das ungeborene Kind, unter anderem eine gestörte Lungenentwicklung, die vielleicht erst im Erwachsenenalter zu Problemen führt, wie bei COPD. Aber auch das Risiko für eine Allergieentstehung steigt durch Rauchen in der Schwangerschaft stark an, insbesondere im Bezug auf Asthma bronchiale.

Eine Erfolgsstory auch im Hinblick auf die Prävention allergischer Erkrankungen ist die Einführung der Nichtraucherschutzgesetze: Seitdem ist nicht nur die Anzahl von Notfallbehandlungen von Kindern wegen Asthma deutlich zurückgegangen, sondern auch die Anzahl an zu frühen Geburten, die wiederum mit einem höheren Allergierisiko einhergehen.

Leider rauchen aber immer noch sehr viele Mütter – hier muss weitere Aufklärungsarbeit geleistet werden!