Wie erkennt man, dass man unter einer Milbenallergie leidet? Welches sind die Symptome? Wie vollzieht sich der Krankheitsverlauf?

Der Winter steht vor der Tür und Triefnasen, rote Augen, Schnupfen und Husten plagen viele Menschen. Auch wenn diese Symptome in der Erkältungszeit nichts Ungewöhnliches sind, leiden nicht alle Betroffenen unter einer Erkältung oder einem grippalen Infekt. Immer mehr Menschen werden von einer so genannten Winterallergie kalt erwischt.

Dabei handelt es sich in der Regel um eine Hausstaubmilbenallergie, die sich als allergischer Schnupfen (allergische Rhinitis) bemerkbar macht und die Patienten vor allem während der Heizperiode belastet. Insbesondere wenn die Beschwerden länger als eine Woche andauern oder häufig wiederkehren, auch bei Erkältungen mit juckenden Augen sollten Betroffene hellhörig werden und ihren Arzt aufsuchen, bevor sie sich selbst therapieren.

Denn wenn eine Allergie statt eines Virusschnupfens vorliegt, besteht die Gefahr chronischer Atemwegsentzündungen, weshalb eine konsequente Behandlung sehr wichtig ist.

Bei geröteten, juckenden Augen und laufender Nase in der kalten Jahreszeit sollte  immer auch an eine allergische Rhinitis (allergischer Schnupfen) durch Hausstaubmilben gedacht werden - zumal hierzulande mittlerweile beinahe jeder Dritte von dieser so genannten Winterallergie betroffen ist. Im Krankheitsverlauf kommen dann häufig ein Dauerhusten und Atemnot bis hin zum allergischen Asthma hinzu.

Wie lang kann eine Allergie dauern? Kann sie chronisch werden?

Eine Milbenallergie kann lebenslang andauern. Die Gefahr, dass die Atemwege chronisch geschädigt werden, ist sogar höher als bei den meisten anderen Atemwegsallergien.

Wer kann eine Allergie bekommen oder ist jeder betroffen?

Am höchsten gefährdet sind sicherlich Kinder aus Familien, deren Eltern selbst Allergiker sind. Allerdings ist richtig: jeder kann erkranken – es gibt keine grundsätzlichen Ausnahmen.    
 

Wie kann man eine Milbenallergie dann bekämpfen? Welche erfolgreichen Therapien gibt es? Gibt es eventuell neue Methoden?

Ganz neu sind verbesserte Immuntherapieverfahren gegen Milbenallergien. Bei einer Immuntherapie (Hyposensibilisierung) kann man einen allergischen Patienten durch Verabreichung von allmählich ansteigenden Dosen seines Allergens unempfindlicher machen.

Das Erfolgsrezept besteht wahrscheinlich darin, dass man mit dieser Behandlung regulierende Immunzellen aktivieren kann, die vor zukünftigen allergischen Reaktionen schützen. Das Immunsystem des Körpers kann sich dann also selbst vor allergischen Reaktionen bewahren.

Durch moderne Präparate konnte der Erfolg deutlich gesteigert werden. Mit einer Erfolgsquote von rund 70 - 90 Prozent profitiert heute auch bei Milbenallergien die Mehrzahl aller Behandelten. Diese Wirkung hält meist auch noch Jahre nach Beendigung der Therapie an – oftmals sogar das ganze Leben lang.

Was kann man selbst in der eigenen Wohnung unternehmen, dass Hausstaubmilben erst gar nicht auftreten?  Praktische vorbeugende Tipps? Wo findet man sie überhaupt in der eigenen Wohnung?

In der kalten Jahreszeit leisten unzureichend gelüftete und zu stark beheizte Räume sowie ein unausgeglichenes Raumklima den Symptomen einer Hausstaubmilben-Allergie Vorschub. Die trockene, warme Heizungsluft wirbelt Staub, Sporen, Tierhaare und die Milben vermehrt auf.

An kalten Außenwänden bilden sich Kältebrücken mit Kondenswasser, das auch für Schimmelpilze perfekte Bedingungen schafft: damit finden viele Milbenarten dann auch vermehrt Nahrung. Das alles belastet die Atemwege von Allergikern.

Folgende Tipps sind daher oft hilfreich:  

  • Kurz und regelmäßig lüften
  • Nassräume mit Frischluft versorgen
  • Räume nicht überheizen (maximale Temperatur: 20°C)
  • Allergendichte Bezüge verwenden (sog. Encasings)
  • Die optimale Luftfeuchtigkeit sollte 40% – maximal 60% betragen

 
Was für Tiere sind Hausstaubmilben / Vorratsmilben überhaupt? Erschreckendes Zahlenbeispiel: Wieviele von ihnen können sich beispielsweise im eigenen Bett verstecken?

In Mitteleuropa ist der Hauptteil der Milbenallergien auf eine Sensibilisierung gegen die Hausstaubmilben Dermatophagoides pteronyssinus und D. farinae zurückzuführen. Sie sind Spinnen-Tiere und mikroskopisch klein.

Diese Milben kommen in Wohnungen und hier vor allem in Betten vor und ernähren sich fast ausschließlich von menschlichen Hautschuppen. Die wichtigsten Allergene der beiden Hausstaubmilben-Spezies sind hoch kreuzreaktiv und finden sich überwiegend in den Kotballen, die in trockener Luft aufplatzen und in die Atemluft gelangen.

Unter dem Begriff „Vorratsmilben“ sind mehrere Milbenfamilien subsumiert, allergologisch relevant sind u.a. die Arten Glycophagus domesticus, Lepidoglyphus destructor und Tyrophagus putrescentiae. Sie ernähren sich von totem Material und Schimmelpilzen und finden sich gehäuft im landwirtschaftlichen Bereich, kommen aber auch im Staub von Wohnungen vor.

Während Hausstaubmilben eine Luftfeuchtigkeit von über 70% benötigen, sind Vorratsmilben auch bei geringeren Luftfeuchten lebensfähig und können sich vermehren.

Im eigenen Bett tummeln sich sicherlich viele tausend Milben – es wurden schon mehr als eine Millionen Milben in Betten gefunden ! Die beruhigende Nachricht lautet also: niemand schläft heute Nacht allein !

Wieviele Menschen sind in Deutschland von einer solchen Allergie betroffen? Sind die Zahlen an- oder absteigend? Wie ist bisher die Aufklärung zum Thema?

In einer aktuellen bevölkerungsbasierten Untersuchung des Robert Koch-Instituts zur Häufigkeit  allergischer Erkrankungen in Deutschland lag die Sensibilisierungsrate gegen Hausstaubmilben bei 16% - somit ist knapp jeder sechste Bundesbürger betroffen.

Die Zahlen sind über die Jahre deutlich ansteigend. Leider wissen noch viel zu wenige Patienten von den Symptomen – bei gehäuften „Erkältungen“ werden oftmals Antibiotika oder Schnupfenmitteln genommen und viel zu spät an eine Allergie gedacht.

An welchen Spezialisten wendet man sich? Wie erstellt der eine Diagnose?

Dies ist abhängig von den vorhandenen Symptomen: Bei Beschwerden im Bereich der Nase und oberen Atemwege ist der HNO-Arzt Spezialist, bei allergischem Asthma ein Lungenfacharzt. Ein Allergologe kann alle notwendigen Tests durchführen. Hierzu gehört meist eine Hauttestung Allergenextrakten von Milben.

Provokationstestungen an der Nasen- bzw. Bronchialschleimhaut entscheiden in fraglichen Fällen über die Behandlungsnotwendigkeit. Unterstützend können Bluttests durchgeführt werden, um spezifische Antikörper vom Typ IgE gegen diese Allergene zu suchen.