Welche Therapien stehen aktuell gegen Allergien zur Verfügung?

Der Patient kann den Kontakt mit den Substanzen vermeiden oder Arzneimittel wie Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren verwenden. Häufig empfiehlt sich auch eine Hyposensibilisierung: Dabei wird das Immunsystem mit den Beschwerden auslösenden Allergenen konfrontiert. Das schwächt langfristig die Empfindlichkeit gegenüber dem Stoff und senkt die Reaktionsbereitschaft. Das Präparat wird unter die Haut gespritzt oder als Tropfen oder Tabletten unter die Zunge gegeben.

Wie lange dauert eine solche Therapie?

Die komplette Umstimmung des Immunsystems gelingt nicht von heute auf morgen. Erste Effekte treten nach einer Woche auf, ausgeprägte nach einem Monat. In der Regel dauert die Therapie drei Jahre und kann bis zu 36 Spritzen umfassen, damit der Patient weitgehend beschwerdefrei lebt.

Mehr Spritzen müssen nicht unbedingt besser sein.

Es gibt aber auch moderne Kurzzeittherapien: Hier verabreicht man pro Jahr deutlich weniger Injektionen als bei den eben erwähnten klassischen Therapien. Auch hier empfiehlt sich eine Therapiedauer von mindestens drei Jahren.

Wie wir wissen, beruht die Wirkung zumindest bei einem Mittel auf dessen spezieller pharmazeutischer Zusammensetzung, durch die das Immunsystem effektiv in Richtung „antiallergische Reaktionslage“ moduliert wird. Mehr Spritzen müssen also nicht unbedingt besser sein. Die Qualität entscheidet.

Welche Vorteile hat eine Hyposensibilisierung noch?

Bekämpfen kann man damit auch den sogenannten „Etagenwechsel“. Ein allergischer Schnupfen kann sich nämlich zum Beispiel zu einem allergischen Asthma oder einer chronischen Nasennebenhöhlenvereiterung entwickeln. Das passiert statistisch gesehen bei etwa zwei von fünf Patienten.

Trotz vieler Jahre beschwerdefreier Zeit erleben Patienten immer wieder, dass die Allergie zurückkehrt.

Verhindern kann der Arzt auch eine Polysensibilisierung. Bei ihr reagieren viele Patienten gegen immer mehr Allergene. Aber natürlich verbessern wir auch die Lebensqualität der Betroffenen. Kinder, die wegen ihrer Allergie über Monate nicht mit anderen im Freien spielen können, sind zum Beispiel sozial extrem benachteiligt.

Wie hoch sind die Erfolgsraten bei der Hyposensibilisierung?

Bei Pollen liegen sie beispielsweise bei 80, bei Hausstaubmilben bei 70 und bei Tierallergenen bei 50 Prozent. Fairerweise muss man den Patienten jedoch sagen, dass eine hundertprozentige Heilung nicht garantiert werden kann.

Trotz vieler Jahre beschwerdefreier Zeit erleben Patienten immer wieder, dass die Allergie zurückkehrt. Gerade bei Betroffenen, die zum ersten Mal als Erwachsene behandelt wurden. Das Immunsystem ist eben sehr plastisch und flexibel. In diesem Fall kann eine kurze Auffrischung der Therapie sinnvoll sein, um wieder beschwerdefrei zu werden.