Die mobile Pollenkammer unseres Partners MCX an der Charité ermöglicht die zielgenaue Untersuchung von allergischen Reaktionen. Und das Beste: Sie ist fast überall einsetzbar.

Posted by ECARF - European Centre For Allergy Research Foundation on Mittwoch, 8. Juli 2015

Diese können einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität haben. Ein Beispiel: Bereits bei Schulkindern mit unbehandeltem Heuschnupfen konnte nachgewiesen werden, dass sie in Prüfungen bis zu einer Note schlechter abschneiden. Messbar ist, dass durch Atemwegsallergien weniger leistungsfähig gearbeitet wird, Symptome einer Dauererkältung vorliegen. Das Nichtbehandeln kostet die europäische Wirtschaft rund 100 Milliarden Euro im Jahr.

Warum werden diese Krankheiten zum größten Teil nicht richtig behandelt?

Weil sie sehr häufig bagatellisiert werden. Allergien sind die Stiefkinder der Medizin. Auch weil es manchmal schwierig ist, anhand medizinischer Studien genau zu belegen, wie gut ein Medikament dem Patienten tatsächlich hilft. Das soll sich nun durch die mobile Pollenkammer ändern. Interview mit Prof. Dr. Zuberbier.

Warum wurde die mobile Pollenkammer entwickelt?

Wir verbringen rund 90 Prozent unserer Zeit in Innenräumen. Hier muss man aber zwischen klimatisierten Räumen, in denen Pollen keine Rolle spielen, und unklimatisierten Räumen unterscheiden. Das Problem einer Feldstudie, in der die Patienten täglich Tagebuch führen, ist, dass man nicht sicher sein kann, ob die Probanden dem Allergen wirklich ausgesetzt sind.

Wenn kein Allergen vorhanden ist, gibt es keine Beschwerden, und das Scheinpräparat unterscheidet sich in den Aufzeichnungen nicht vom echten Präparat. Diese Logik versteht jeder, doch leider nicht immer die jeweilige Zulassungsbehörde.

Um den Patienten bessere Medikamente zur Verfügung stellen zu können, die letztlich auch zugelassen werden, haben wir 2002 mit der European Medicines Agency (EMA) und dem EU-Netzwerk GA²LEN konferiert, um solche Studien zu verbessern. Heraus kam, dass es wichtig ist, eine Provokationssituation zu haben, in der man sicher weiß, dass die Probanden den Pollen tatsächlich ausgesetzt sind.

Große Pollenkammern, in denen dies möglich ist, gibt es schon seit Langem. Diese sind allerdings fest verbaut, und dadurch fehlt ihnen ein wichtiges Merkmal, das Zulassungsbehörden immer fordern, nämlich dass Studien multizentrisch durchgeführt werden sollen.

Nur so kann man verschiedene Patiententypen testen und einen Querschnitt der Bevölkerung erfassen. So kam mir die Idee der mobilen Pollenkammer. Das sind zwei große Normcontainer, die miteinander verbunden werden und einfach auf- und wieder abladbar sind. Dadurch ist es nun möglich, eine klassische medizinische Studie überall durchzuführen.

Wie kann man sich den Einsatz am Probanden vorstellen?

Die Probanden kommen in einen geschlossenen Raum. In einem Container ist die Überwachungseinheit, in der die Wissenschaftler sitzen. Die zweite Einheit enthält die eigentliche Kammer, in der sich flexible Sitzplätze befinden. Über jedem Sitz ist ein Auslass, durch den die Pollen durch einen Luftkegel lasergezählt herausgelassen werden. Innerhalb der Kammer kann man für jeden Probanden individuell einstellen, ob der Luftkegel Pollen enthalten soll oder nicht, so ist auch eine Placeboprüfung möglich.

Die Probanden haben ein Tablet vor sich, in das sie alle zehn Minuten einen kurzen Beschwerdenbericht eingeben. Zudem wird in Intervallen die Lungen- und Nasenfunktion getestet sowie die Augenrötung kontrolliert.

Wohin genau soll die Entwicklung in Zukunft gehen?

Sie wird Meilensteine in der Therapie für ganz viele Bereiche bereithalten. Ich bin mir sehr sicher, dass wir durch die mobile Pollenkammer einen neuen Standard geschaffen haben. Neben der klassischen Pollenuntersuchung kann man sie für die Messung von Umweltschadstoffen einsetzen, beispielsweise Ozon einbringen und den Effekt auf  Haut- und Schleimhaut untersuchen.

GA²LEN als Partner hat deshalb darauf geachtet, dass die mobile Pollenkammer in den Händen der Wissenschaft bleibt und dadurch die Lebensqualität von Millionen Menschen verbessert werden kann.

Weitere Forschung zur verbesserten ursächlichen Therapie ist unbedingt notwendig, aber schon heute könnte jeder Atemwegsallergiepatient ein beschwerdefreies Leben führen, denn die richtigen Therapien sind vorhanden – sie müssen nur richtig eingesetzt werden!


GA²LEN (Global Allergy and Asthma European Network)

Allergien gehören zu den meistverbreiteten gesundheitlichen Problemen in Europa. Häufigkeit, Schweregrad und Kosten dieser Erkrankungen weisen eine steigende Tendenz auf. 2005 wurde das GA²LEN-Netzwerk (Global Allergy and Asthma European Network) gegründet, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Spitzenforschung sicherzustellen, indem es wissenschaftliche und klinische Einrichtungen vereint und dadurch die Aufsplitterung der europäischen Forschung überwindet.

Das EU-Netzwerk profitiert stark von dem freiwilligen Engagement der vernetzten Ärzte, Wissenschaftler und Forscher. Es werden regelmäßig neue Forschungsprojekte initiiert und gemeinsame Veröffentlichungen publiziert.