Moritz, erzähle uns etwas von dir.

Ich heiße Moritz Müller. Ich bin sechs Jahre alt. Ich mag Dinosaurier und Lego. Ich bin ein kleiner Fußballer und kicke bei den Minis. Das ist mein allerliebstes Hobby. Und wenn ich groß bin, werde ich bei Werder Bremen spielen. Ich bin auch ein riesiger AC/DC-Fan, und es gibt nichts Cooleres, als zu AC/DC abzurocken.

Frau Müller, bitte erzählen Sie uns von Ihrem Sohn.

Sehr gern. Moritz ist ein wunderbarer Junge. Neben Fußball und AC/DC liebt er es, seine große Schwester zu ärgern, die in die zweite Klasse geht. Halt ein ganz normaler Junge – wären da nicht seine Allergien.

Wie begann seine Krankheitsgeschichte?

Moritz kam sechs Wochen zu früh auf die Welt. Da die Lunge noch nicht ganz ausgereift war, mussten wir längere Zeit im Krankenhaus bleiben. Nach drei Monaten hatte er extremen Hautausschlag, somit entschieden wir uns, auf eine Spezialnahrung aus der Apotheke umzusteigen. Moritz war ein Schreibaby. Als er ein halbes Jahr alt war, hat er sich einen Virus in der Lunge eingefangen und es folgten weitere vier Wochen Krankenhausaufenthalt.

Wie wurden die Allergien diagnostiziert?

Drei Monate nach dem letzten Krankenhausaufenthalt bestand ich auf einen Bluttest, und dieser zeigte, was wir schon vermutet hatten: Moritz leidet unter Allergien. Erdnüsse, Schalenfrüchte und Tierhaar, zeigte der RAST-Test. Wir wussten Bescheid und sind zu diesem Zeitpunkt noch ganz lässig mit der Allergie umgegangen. Als wir dann ein Gespräch mit einer Ernährungsberaterin hatten und die uns erklärte, dass Erdnüsse gar keine Nüsse, sondern Hülsenfrüchte sind, zu denen auch Linsen, Lupinen, Bohnen, Erbsen und vieles mehr gehören, waren wir schon etwas verunsichert. Was darf Moritz denn überhaupt noch essen?

Gab es einen Schockmoment bezüglich der Allergien?

Den gab es, als Moritz mit einem Jahr ein Schokoeis gegessen hatte. Fünf Minuten später bildeten sich Pusteln auf seiner Lippe. Wir sind direkt zum Kinderarzt gefahren. Dort verengten sich die Atemwege und der Zustand verschlimmerte sich. Der Kinderarzt verständigte den Rettungsdienst und dieser spritzte Moritz Adrenalin. Da fiel zum ersten Mal der Begriff „Anaphylaxie“. Wir konnten damit zuerst nichts anfangen, als man uns dann erklärte, dass dies ein lebensbedrohlicher Allergieschock ist, bekam ich es mit der Angst zu tun. Schließlich können Lebensmittel immer mal Spuren von Erdnüssen oder Ähnlichem enthalten.

Wie sind Sie dann damit umgegangen?

Ich hatte große Angst, auch weil ein Junge in unserem Umfeld an einer Nussallergie gestorben war. Wir suchten uns Hilfe bei NAN e. V., das Nuss/Anaphylaxie Netzwerk, und bekamen eine Anaphylaxieschulung. Bei dieser wurde uns die Angst genommen und uns gezeigt, wie man das Notfallpaket, in dem ein Adrenalinpen, Cortison, ein Anaphylaxiepass und ein Antihistaminikum vorhanden sind, einsetzt.

Moritz, wie geht es dir mit deinen Allergien?

Ganz gut. Manchmal nervt es mich aber auch, dass sich immer alles ums Essen dreht.

Was meinst du damit?

Na, immer muss ich fragen, ob da Erdnüsse drin sind. Ganz viel, was meine Freunde essen, darf ich nicht mal probieren. Das stört mich. Manchmal weine ich dann auch.

Frau Müller, bitte beschreiben Sie die Situation.

Für Moritz ist es schwer so viele Lebensmittel nicht essen zu dürfen und zu unterscheiden.Er muss immer auf die Freigabe von den Angehörigen warten. Schwierig wird es immer an Kindergeburtstagen, dann ärgert er sich manchmal, dass er dann die tollsten verzierten Muffins nicht essen darf.  Zudem stört es ihn, dass er immer aufpassen muss, nie das Notfallpaket zu vergessen. Zum Glück erholt er sich immer schnell wieder von einem „Allergietief“.

Und wie ist es mit dem Asthma?

Das Asthma ist vorerst nur eine kleine Nebensache geworden. Bislang haben wir noch keine negativen Erfahrungen machen müssen. Da kenne ich ganz  andere Geschichten von anderen  Eltern.

Moritz, du kommst bald in die Schule. Worauf freust du dich am meisten?

Ich komme im Sommer in die Schule und freue mich riesig darauf, bald selbst alles lesen zu können. Mama hat mir einen Witz erzählt. Wollen Sie ihn hören?

Klar.

Was ist das Schlimmste, was einem als Schulkind passieren kann? Hausaufgaben (lacht).

Was ist das Schlimmste, was dir passieren könnte?

Dass ich wegen meiner Allergie niemanden zum Spielen habe und alle mich doof finden.

Moritz, was ist dein größter Wunsch?

Eigentlich ist mein größter Wunsch, diese Allergie wegzuzaubern – und dass meine Schwester in den Pausen ein bisschen auf mich aufpasst.