Eine gesunde Lunge ist deshalb so wichtig, weil eine dauerhaft eingeschränkte Lungenfunktion die Lebensqualität beeinträchtigen und eine verkürzte Lebenserwartung mit sich bringen kann.  

Dass Schadstoffe in der Atemluft für die Lunge, aber auch für Herz und Kreislauf schädlich sein können, ist umfangreich wissenschaftlich belegt und unstrittig. Dabei gilt Feinstaub als der wichtigste Luftschadstoff auch für die gesunde Allgemeinbevölkerung, gefolgt von Ozon, das insbesondere Effekte auf die Atemwege hat. Stickstoffdioxid wird eher als ein leicht messbarer Indikator für ein verkehrsabhängiges Gesamtgemisch gesehen, obgleich sich bei Personen mit leichtgradigem Asthma auch direkte negative Wirkungen in experimentellen und epidemiologischen Studien beobachten lassen.

Ungeachtet dessen bleibt festzuhalten, dass Feinstaub derjenige Luftschadstoff in verkehrsreichen Städten ist, von dem die größten und am breitesten gefächerten Gesundheitsgefahren ausgehen. Das haben die Ergebnisse der European Study of Cohorts for Air Pollution Effects (ESCAPE) bestätigt. Mehrere Forschergruppen analysierten dabei Daten aus 22 europäischen Kohorten. Bei gesunden Probanden, die einer um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter erhöhten Konzentration von PM10-Feinstaub-Partikeln ausgesetzt waren, ergab die Auswertung nach fast 13 Jahren eine höhere Gesamtsterblichkeit um etwa sieben Prozent und ein um 22 Prozent erhöhtes Lungenkrebsrisiko.

Weitere Analysen ergaben, dass Feinstaub, aber auch Stickoxide sich negativ auf die Lungenfunktion auswirken. Die Ergebnisse der ESCAPE-Studie erhärten den Verdacht, dass Partikel auch unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte gesundheitsschädlich sein können. Für gesunde Menschen sind das Risiko und die abträgliche Wirkung auf die Lungenfunktion gering. Jedoch sind einige Bevölkerungsgruppen stärker gefährdet. Dazu gehören Kleinkinder und Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, COPD, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese bedürfen eines besonderen Schutzes und müssen bei der Festlegung von Grenzwerten berücksichtigt werden.

Viele medizinische Dachorganisationen wie das Deutsche Zentrum für Lungenforschung und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin treten daher für das Recht der ihnen anvertrauten Patienten und der Allgemeinbevölkerung auf saubere Luft zum Atmen ein. Niemand kann sich der Belastung durch verschmutzte Außenluft vollständig entziehen. Deshalb sollten wesentliche Verursacher einer Luftverschmutzung, die von Emissionen der Kraftfahrzeuge sowie Kraftwerks- und Industrieanlagen herrührt, technologische Maßnahmen umsetzen, die eine weitere Reduktion des Schadstoffausstoßes garantieren.

Politiker auf Bundes- und Kommunalebene sind aufgefordert, wirksame, realisierbare Maßnahmen zu veranlassen, um die Luftqualität in den städtischen Ballungsräumen zu verbessern. Der Beitrag des Einzelnen zur Verbesserung der Qualität der Außenluft beschränkt sich im Wesentlichen auf die Reduzierung des Individualverkehrs und auf Maßnahmen, auch in den eigenen vier Wänden Emissionsquellen zu reduzieren oder zu eliminieren.