Prof. Dr. med. habil. Stefan Hammerschmidt

Chefarzt der Klinik für Pneumologie

 

Was macht die Diagnose von Lungenkrebs aus?

Zunächst muss die feingewebliche Untersuchung den Lungenkrebs nachweisen. Dann wird untersucht, wie fortgeschritten die Erkrankung ist, ob und wo Metastasen vorliegen. Mit Blick auf die Behandlung muss die Lungenfunktion geprüft werden, ob Lungenanteile überhaupt operativ entfernt oder bestrahlt werden können. Schließlich wird das Tumorgewebe aufwendig auf Mutationen untersucht. Dies ist für die Planung der optimalen Therapie erforderlich. In unserem zertifizierten Lungenkrebszentrum werden alle Aspekte dieser komplexen Diagnostik von einem eingespielten Expertenteam aus einer Hand angeboten.

Wie kann eine frühe Diagnose beschleunigt werden?

Wenn die Erkrankung früh erkannt wird, ist die Lebenserwartung günstiger als in einem späten Stadium. Der Lungenkrebs verursacht Symptome häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Vorsorge mittels CT bei starken Rauchern ist in der Lage, den Krebs früher zu erkennen und die Prognose zu verbessern. Bis diese Erkenntnisse in ein Vorsorgeprogramm umgesetzt sind, bleibt der Rat, allen Symptomen, insbesondere Husten, Bluthusten, pfeifendem Atemgeräusch und Heiserkeit, effektiv nachzugehen und das Rauchen zu unterlassen. 

 

Dr. med. Sven Seifert

Chefarzt der Klinik für Thorax-, Gefäß- und endovaskuläre Chirurgie

 

Warum ist es bei der Lungenkrebstherapie so wichtig, interdisziplinär zusammenzuarbeiten?

Die Behandlung des Lungenkrebses erfordert eine dem Patienten und dem Stadium der Erkrankung angepasste individuelle Therapie. Alle verfügbaren Therapieoptionen von Operation, Chemotherapie und Bestrahlungstherapie und moderne medikamentöse Antikörpertherapieverfahren müssen sinnvoll und in der richtigen Reihenfolge oder auch zugleich eingesetzt werden, um einen optimalen Behandlungserfolg zu erreichen.

Welche Hilfsmittel nutzen Sie, um in jedem Arbeitsschritt vernetzt zu bleiben?

Wir kommunizieren über unser Kliniknetzwerk und eine spezielle Software für Tumorkonferenzen. Alle Ärzte verfügen über ein Smartphone und ein iPad und können zu jederzeit und im gesamten Klinikum auf alle Patientendaten und Befunde zugreifen.

Wie arbeiten Thoraxchirurgie, Radioonkologie und Pulmologie zusammen?

Bei uns liegen die Lungenklinik, die Thoraxchirurgie und die Radioonkologie räumlich in direkter Nachbarschaft und nur wenige Meter voneinander entfernt. Das überregionale Chemnitzer Onkologische Centrum (OCC) sitzt ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Wege sind daher extrem kurz und optimal für die Patienten und Ärzte. Wir sitzen alle gemeinsam mindestens einmal in der Woche mit Pathologen, Nuklearmedizinern und, wenn nötig, weiteren Disziplinen zusammen und besprechen jeden einzelnen Patienten im Detail. In gemeinsamen Qualitätszirkeln erarbeiten wir die Basis unserer Entscheidungen anhand der aktuellen Empfehlungen und kontrollieren unsere Therapieerfolge.

 

PD Dr. med. habil. Gunther Klautke

Chefarzt der Klinik für Radioonkologie

 

Eine individuelle Behandlung von Tumorpatienten rückt immer mehr in den Mittelpunkt, wie lässt sich dies in der Radioonkologie managen?

Für viele Patienten mit lokal fortgeschrittenem Lungenkrebs ist meist die Radiochemotherapie die Standardtherapie. In unserer Klinik wenden wir neue Techniken (PET-CT-Planung, 4-D-Planungs-CT, adaptive Strahlentherapie, IMRT, IGRT, Gating) und moderne, unterstützende Therapien an, die effektiv und wirkungsvoll sind. Dabei ist die längerfristige Heilung das Therapieziel. Jede Strahlentherapie sollte in einem Zentrum mit neuester Technik, nachgewiesener Erfahrung und insbesondere mit multimodalen Therapien erfolgen.

Welche Möglichkeiten bietet die Radioonkologie Patienten heute bei der Behandlung?

Neben der Radiochemotherapie ist die Stereotaxie eine weitere Therapieoption insbesondere bei oligometastasierten Patienten. Früher wurde hier meist eine alleinige Systemtherapie eingesetzt. Heute können wir diese Patienten einer zusätzlichen lokalen Therapie (Operation und/oder Bestrahlung) zuführen. Die Stereotaxie ist hier eine nebenwirkungsarme und effektive Therapieoption.