Wie trat die Erkrankung in Ihr Leben?

Vor rund zwei Monaten ist bei mir ein Reizhusten aufgetreten. Nachdem dieser nach ungefähr zehn Tagen sogar noch zugenommen hatte, habe ich meinen Hausarzt, einen Internisten, aufgesucht. Dieser hat nach einer Röntgenuntersuchung dann noch am selben Tag eine Lungenentzündung diagnostiziert und mir ein Antibiotikum (Amoxicillin) verordnet.

Der Husten hat sich in den folgenden Tagen dann in einen „produktiven Husten“ verwandelt und es kam zu starker Schleimbildung im Lungen- und Rachenbereich, sodass auch das Sprechen schwerfiel. Nach anderthalb Wochen ohne Besserung wurde ein anderer Wirkstoff (Clarithromycin) verordnet. Ein erneutes Röntgenbild zeigte einen weiteren Entzündungsherd, sodass zur genaueren Untersuchung eine CT-Aufnahme erstellt wurde, bei der eine sogenannte Kaverne in der Lunge sichtbar wurde.

Da fiel dann erstmals das Wort Tuberkulose. Ich erhielt daraufhin einen Termin in einer Lungenfachklinik. Die Untersuchungen erbrachten schon nach anderthalb Tagen den Nachweis einer Tuberkulose und ich erhalte seitdem eine Kombination aus vier verschiedenen Tabletten (Antibiotika). Wo und wie ich mich angesteckt habe, wird sich wohl nicht klären lassen.

Da ich allein lebe, konnte ich nach rund zwei Wochen mit Zustimmung des Gesundheitsamtes aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen werden. Die Medikamente werde ich jedoch noch über viele Monate einnehmen müssen. Derzeit gelte ich außerdem auch noch als ansteckend, sodass ich meine Wohnung nur selten verlasse, dort keinen Besuch empfange und auch sonst so weit wie möglich mit niemandem in geschlossenen Räumen zusammen bin. Beim Einkauf im Supermarkt und bei Arztbesuchen muss ich zurzeit einen Mundschutz tragen.

Wie sahen die Symptome bei Ihnen aus?

Ich hatte anfangs lediglich Husten und vielleicht leichtes Fieber. Die nach den Fragen der Ärzte offenbar typischen weiteren Symptome wie Nachtschweiß oder Gewichtsverlust traten bei mir nicht auf.

Wussten Sie damals, was eine Tuberkulose ist?

Ich wusste lediglich, dass es eine Lungenerkrankung ist. Allerdings kannte ich den Begriff auch nur aus Büchern und Filmen und dachte, dass die Krankheit zumindest in Deutschland nicht mehr auftritt.

Wie haben Sie sich gefühlt?

Zunächst erleichtert, dass endlich die Ursache meiner Erkrankung bekannt ist. Auch haben mir die Ärzte gleich deutlich gemacht, dass die Krankheit heilbar ist und in meinem Fall mit den Standardmedikamenten behandelt werden kann. Als ich dann allerdings schrittweise erfahren habe, wie lange die Behandlung tatsächlich dauern kann und wie ungewiss das Ende der Isolationsmaßnahmen ist, hat mir das schon zu schaffen gemacht.

Für unser Interview wollen Sie anonym bleiben. Stigmatisiert die Krankheit?

Ich gehe gegenüber meinen Freunden und Kollegen offen mit der Krankheit um und erlebe von dort auch sehr viel Anteilnahme und Verständnis, wofür ich sehr dankbar bin. Aber Krankheiten mit Ansteckungsgefahr sind wohl immer stigmatisierend; die Blicke, die einen bei einem Einkauf mit Mundschutz treffen, wirken mitunter schon irritiert. Ich selbst würde da wohl ähnlich reagieren.

Sind Sie heute wieder gesund?

Nein, die Behandlung dauert noch an. Vermutlich werde ich noch fünf bis acht Monate Medikamente einnehmen und Kontrolluntersuchungen wahrnehmen müssen. Zurzeit warte ich erst mal sehnlichst darauf, dass die Ansteckungsgefahr vorüber ist und ich wieder in meinen Alltag zurückkehren und mich wieder normal unter Menschen bewegen kann.