Interview mit Professor Heinrich Worth, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga.

Prof. Worth, die meisten Menschen kennen die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD, nur unter dem Begriff „Raucherhusten“. Sind ausschließlich Raucher von dieser Erkrankung betroffen?

Rund 70 bis 80 Prozent der in Deutschland an COPD erkrankten Patienten haben diese Krankheit durch das Rauchen von Zigaretten. Doch es gibt auch andere Risikofaktoren.

Und die sind?

Staubreiche Arbeitsplätze, wie bei Bergleuten unter Tage oder auch offene Feuerstellen, wie sie in anderen Ländern häufig in Häusern vorkommen, können Auslöser sein. In Indien beispielsweise ist dies die Hauptursache für COPD.

Ein kleiner Prozentsatz ist auch genetisch bedingt. Es gibt also eine Reihe von Möglichkeiten, diese Erkrankung zu bekommen. Auch Luftverschmutzung spielt eine Rolle, jedoch weit untergeordnet gegenüber dem Tabakrauchen. 

Wie wird die COPD heutzutage behandelt? 

Behandlungsmöglichkeiten haben wir heute eine ganze Reihe. Dabei handelt es sich um vorbeugende Maßnahmen, medikamentöse und nicht medikamentöse Therapien.

Bitte gehen Sie auf jede Möglichkeit genauer ein.

Bei den vorbeugenden Maßnahmen ist das Wichtigste, auf das Rauchen zu verzichten und auch zu verhindern, dass jemand anfängt zu rauchen. Die Raucherentwöhnung spielt damit in der tertiären Prävention eine tragende Rolle.

Weitere vorbeugende Maßnahmen gibt es im Sinne eines Arbeitsschutzes bei staublastigen Arbeitsplätzen, aber vorbeugende Maßnahmen sind auch Schutzimpfungen gegenüber der Grippeinfektion und in Deutschland glauben wir auch, dass die Schutzimpfung gegen Pneumokokken, also gegen den häufigsten Erreger bakteriell bedingter Lungenentzündung, hilfreich ist. 

Und die medikamentöse Therapie?

Neben den vorbeugenden Maßnahmen setzen wir Medikamente ein. Hier sind am wichtigsten die zur Atemwegserweiterung, die so genannten Bronchodilatatoren, wie Beta-2-Sympathomimetika Anticholinergika. Diese Medikamente erweitern die Atemwege, erleichtern dadurch das Atmen und vermindern die Überblähung der Lunge unter körperlicher Belastung und beugen zudem akuten Verschlechterungen der Erkrankung vor.

Natürlich gibt es auch weitere medikamentöse Möglichkeiten, wie inhalatives Kortison, das bei der COPD-Behandlung jedoch eher eine kleine Rolle spielt, weil die Patienten nicht besonders gut darauf ansprechen. Es gibt aber auch kortisonfreie Entzündungshemmer, das Roflumilast.

Dieser wirkt atemwegserweiternd und wird hauptsächlich bei Patienten eingesetzt, die neben der eingeschränkten Lungenfunktion durch die COPD auch Husten und Auswurf haben.

Treten dann im weiteren Verlauf zur Erkrankung bakterielle Atemwegsinfekte auf, wird man den betroffenen Patienten zusätzlich mit Antibiotika behandeln, um den Infekt zu beseitigen und die Atemwegssituation zu verbessern. Hinzu kommen schleimlösende Medikamente.

Hier haben wir bisher noch keine Belege, ob diese in der Langzeittherapie wirklich notwendig sind. Es gibt aber einige Patienten, die davon profitieren, in dem Sinne, dass der zähe Schleim einfach besser abgehustet werden kann.

Die sogenannten Mukopharmaka helfen den zähen Schleim zu verflüssigen oder gar die Produktion des Schleims zu vermindern. Dies gelingt auch mit dem Cineol. Der reine Naturstoff ist für seine schleimlösenden, antientzündlichen und antibakteriellen Eigenschaften bekannt, auch bei entzündlichen Erkältungskrankheiten. All das steht uns zur medikamentösen Therapie zur Verfügung. Jede Behandlung wird individuell auf den Patienten abgestimmt.

Bitte gehen Sie nun auf die nichtmedikamentösen Maßnahmen ein.

Am wichtigsten ist hier die Bewegungstherapie, die eine medikamentöse Therapie optimal ergänzt. COPD-Patienten wieder aktiver werden zu lassen, ist häufig schwer, da COPD-Patienten sich häufig isolieren, sich kaum noch bewegen, häufig gar nicht mehr die eigenen vier Wände verlassen.

Umso wichtiger ist es, COPD-Patienten wieder in Bewegung zu bringen, gerade nach einer langen Phase der Inaktivität. Und es lohnt sich: Muskelkraft, Gelenke, Sehnen und Bänder werden wieder besser aufeinander abgestimmt, Gehstrecke und Koordination verbessern sich. 

Zudem kommen die Patienten aus ihrer sozialen Isolation und lernen Betroffene kennen, können sich austauschen. Es gilt, die stete Abwärtsspirale aus typischen COPD-Beschwerden und sinkender körperlicher Aktivität zu durchbrechen.

Etliche COPD-Patienten werden durch die soziale Isolation depressiv, aber das muss nicht sein. Neben den sportlichen  Parametern ist das wichtigste Ziel der Bewegungstherapie die Verbesserung der Lebensqualität. 

Wie kann man sich die Bewegungstherapie genau vorstellen?

Sie wird in kleinen Gruppen durchgeführt. Vor dem Training wird, von einem speziell für COPD-Training ausgebildeten Übungsleiter, der Gesundheitszustand überprüft. Ist der Patient nicht in einer akuten Verschlechterungsphase, in der er nicht trainieren sollte, kann es losgehen.

Zuerst wird ein Aufwärmen durchgeführt. Dann können die Patienten beispielsweise Ausdauer, Kondition, Kraft oder einzelne Muskelgruppen trainieren. Je nach Schwere der Erkrankung.  Nach vierzig bis sechzig Minuten gibt es eine Abkühlphase, die die Patienten gemeinsam verbringen, bevor sie nach Hause gehen. 

Sie sind auch stellvertretender Vorsitzender der Deutsche Atemwegsliga. Wie unterstützen Sie COPD-Patienten? 

Wir kümmern uns unter anderem darum die Bewegungstherapie in Deutschland flächendeckend nutzbar zu machen. Zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin für Deutschland verfassen wir auch wichtige Leitlinien zum Management der COPD.

Aber auch Patientenschulungen, bei denen wir den Patienten zeigen, wie sie Verschlechterungen der Krankheit erkennen und dann reagieren, wie sie Medikamente richtig  nutzen und welche Inhalationsverfahren es gibt, bieten wir an. Die Deutsche Atemwegsliga unterstützt COPD-Patienten ab der Diagnose unter anderem mit Schulungen, Informationsmaterial und ist jederzeit Ansprechpartner.