Wann haben Sie von Ihrer Erkrankung erfahren?

Das war 2004. Mein Hausarzt hatte mich abgehört und so festgestellt, dass etwas nicht stimmte. Er schickte mich zum Röntgen und führte einen Lungenfunktionstest durch. So wurde die Krankheit COPD diagnostiziert.

Welche Symptome hatten Sie?

Besonders die Atemnot hat mir zu schaffen gemacht. Treppensteigen und die kleinste Belastung drückten mir förmlich den Atem weg.

Sind die Auslöser bei Ihnen bekannt?

Rauchen ist der Hauptauslöser, daran lässt sich auch nichts schönreden. Bei mir kommt aber noch hinzu, dass ich Blechschlosser war, hatte sehr viel mit Glaswolle und Dämpfen von Farben und Verdünnung zu tun, in den 70er-Jahren habe ich auch mit Asbest gearbeitet. All das sind zusätzliche Risikofaktoren von COPD. Was es nun bei mir genau ausgelöst hat, lässt sich schwer sagen – alles hat wohl seinen Teil zu der Krankheit beigetragen.

Wie hat sich Ihr Leben seit der Diagnose verändert?

Jede Krankheit ist sehr schlimm, es gibt keine schöne Krankheit. Das Verräterische an COPD ist, dass man die Krankheit im Sitzen oder Stehen nicht merkt.

Ich versuche, sehr viel spazieren zu gehen, mich von der Krankheit nicht unterkriegen zu lassen.

Erst wenn man sich bewegt und plötzlich schnauft wie ein altes Dampfross, wird einem die Krankheit wieder bewusst. Ich musste lernen, mit sehr vielen Einschränkungen zu leben.

Die Krankheit schreitet immer weiter fort, wird nach jeder Erkältung schlimmer. Schon das Anziehen, Bücken oder Gehen können zu großen Hindernissen werden. Auch das Wetter spielt eine Rolle. Kalte, warme oder feuchte Luft begünstigt oder verschlechtert die Symptome.

Wie wird die Krankheit bei Ihnen behandelt?

Durch Medikamente und eine permanente Sauerstoffversorgung. Zudem gehe ich einmal pro Woche zur reflektorischen Atemtherapie und einmal die Woche zum Lungensport.

Was kann man sich darunter genau vorstellen?

Beim Lungensport bewegt man sich eine Stunde an Geräten, unter Aufsicht eines Sporttherapeuten, der auch den Sauerstoff misst und schaut, dass alles in Ordnung ist. Danach folgt noch eine halbe Stunde Gymnastik. Mir tut das sehr gut und es hält mich fit – zumindest innerhalb meiner Möglichkeiten.

Was tun Sie außerhalb dieser Sportangebote für Ihren Körper?

Ich versuche, sehr viel spazieren zu gehen, mich von der Krankheit nicht unterkriegen zu lassen – auch wenn mir das nicht immer leichtfällt. Ich wohne direkt am Rhein und mein Ziel ist immer der eine Kilometer bis zur Fähre. Da es auf dem Weg durchgängig ein Geländer gibt, fühle ich mich recht sicher, da ich mich immer festhalten kann und verschnaufen.

Wie leben Sie mit der ständigen Sauerstoffversorgung?

Man gewöhnt sich daran. Für mich war das am Anfang sehr schwer, heute ist es zum Automatismus geworden. Denn wenn man nach einer gewissen Zeit merkt, dass der Sauerstoff einem hilft, wird er zur Selbstverständlichkeit. Auch für meine Mitmenschen.

Mein großer Wunsch ist nun der Kölner Dom, mit 530 Stufen.

Die Einzigen, die ab und zu gucken, sind Kinder, und denen sage ich dann: „Fangt niemals an zu rauchen.“ Man muss die Krankheit versuchen zu akzeptieren und manchmal auch mit Humor zu nehmen, sonst macht sie einen kaputt. Darum setze ich mir auch immer kleine Ziele.

Und die sind?

Letztes Jahr war ich in Borkum zur Kur und ich wollte unbedingt auf den Leuchtturm. Der hat 308 Stufen – für einen COPD-Erkrankten in meinem Stadium fast unmöglich. Ich wollte mich aber nicht unterkriegen lassen und habe das mit den Therapeuten und Ärzten abgesprochen. Ich habe trainiert und habe es dann auch geschafft, was mich sehr stolz gemacht hat.

Mein großer Wunsch ist nun der Kölner Dom, mit 530 Stufen. Ich trainiere auch schon dafür und hoffe sehr, dass ich es schaffe, mir diesen Traum noch zu erfüllen. Aufgeben werde ich nicht – der Weg ist das Ziel.

Was wollen Sie anderen Erkrankten raten?

Das ist sehr schwer. Ich bin in einer Selbsthilfe- und einer Sportgruppe, und zusammen erträgt sich eine Krankheit immer leichter. Jeder sollte für sich ausprobieren, was er noch kann und was nicht – aber niemals aufgeben, sonst hat die Krankheit gewonnen.