Die Prognose hat sich für viele Patienten dank des medizinischen Fortschritts zwar deutlich verbessert, dennoch werden weiterhin neue und wirkungsvolle Therapieoptionen benötigt.

Ein innovativer Therapieansatz im Kampf gegen fortgeschrittenen Lungenkrebs, insbesondere dem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs, ist die sogenannte immun-onkologische Therapie. Immunonkologische Therapien nutzen das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen den Krebs.

Das Immunsystem – Ein Schlüssel im Kampf gegen Krebs

Das Immunsystem ist dafür zuständig, Krankheitserreger, körperfremde Stoffe oder krankhaft veränderte Zellen, wie zum Beispiel Krebszellen, zu erkennen und zu bekämpfen. Anhand von Molekülen auf der Oberfläche einer Zelle, den sogenannten Antigenen, kann das Immunsystem krankhafte von gesunden Zellen unterscheiden.

Dafür docken zum Beispiel die T-Lymphozyten, kurz T-Zellen, nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an die Oberflächenmoleküle der Krebszelle an. Sie wird dadurch als krankhaft erkannt und die Immunreaktion startet. Die T-Zellen spielen somit eine zentrale Rolle in der Verteidigung des Immunsystems.
Das Problem: Krebszellen können Mechanismen entwickeln, um der Zerstörung durch das Immunsystem zu entgehen.

Sie tragen zum Beispiel keine Antigene auf der Zelloberfläche und werden so „unsichtbar“. Oder sie drosseln die Aktivität der T-Zellen, indem sie Moleküle auf ihrer Oberfläche bilden, mit denen sie an den T-Zellen andocken und diese lahmlegen. Die Krebszellen können nun ungehindert weiterwachsen und sich unkontrolliert vermehren.

Immunonkologische Therapien: Durchbruch in der Behandlung von Krebs

Während sich die etablierten Therapien, wie Bestrahlung oder Chemotherapie, direkt gegen die Krebszelle richten, zielt die immunonkologische Therapie darauf, die körpereigenen T-Zellen im Kampf gegen Krebs zu unterstützen. „Wir können dieses komplexe Zusammenspiel nutzen und verwenden seit rund drei Jahren innovative Medikamente, die in diese Vorgänge eingreifen“, sagt Prof. Dr. med. Martin Reck, Chefarzt der Abteilung für Onkologie der LungenClinic Grosshansdorf.

Abbildung: Wirkweise der Immunonkologie

„Diese intravenös verabreichten Antikörper docken an die gleichen Moleküle auf der Oberfläche der T-Zelle an, die auch die Krebszelle „ausnutzt“. Ist eine solche Andockstelle besetzt, hat die Krebszelle keine Möglichkeit mehr, sich an diese zu binden.” Der Körper erhält kein „gefälschtes“ Stoppsignal mehr, das die Aktivität des Immunsystems drosselt. Es ist wieder funktionsfähig und kann so die Krebszellen erkennen und bekämpfen.

„Bisher kamen bei der Behandlung von Lungenkrebs im fortgeschritten Stadium Ansätze, wie die Chemotherapie zum Einsatz, die bei dieser Krebsart leider nur begrenzt wirken“, so Reck. Die immunonkologische Therapie hat die Behandlungsmöglichkeiten erheblich verändert. „Diesen Durchbruch kann man als einen Quantensprung bezeichnen“, so Reck. „Eine Veränderung der therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung von Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium in dieser kurzen Zeit hat es so noch nicht gegeben.“

 

Information

Weitere Informationen erhalten Sie auf krebsinformationsdienst.de, onkopedia.com sowie auf immunonkologie.de.