Die Luftqualität wird belastet durch den Straßenverkehr, die Industrie, die Landwirtschaft und Kleinfeuerungsanlagen. Der Autoverkehr und insbesondere Dieselmotoren tragen maßgeblich zur Belastung mit Stickoxiden (NOx) bei.

Feinstaub wird eher durch ältere Dieselfahrzeuge freigesetzt. Die Konzentrationen von Feinstaub, NOx und Ozon in der Außenluft werden landesweit gemessen. Es gibt Grenzwerte, die der Gesetzgeber festgelegt hat. Werden diese nicht eingehalten, müssen zum Schutz der Bevölkerung Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Dies kann unter Umständen auch Fahrverbote bedeuten.

Wie schädlich sind die Emissionen durch den Verkehr wirklich, und ist der Zusammenhang zwischen Gesundheitsschädigung und Verkehr tatsächlich nachgewiesen?

Die schädlichen Wirkungen von Feinstaub, NOx und Ozon sind ausreichend belegt. Der spezielle Zusammenhang mit den Emissionen des Autoverkehrs kann jedoch lediglich abgeleitet werden, da die eingeatmete Luft ein Gemisch von Schadstoffen aus unterschiedlichen Quellen enthält. Personen, die an verkehrsreichen Straßen wohnen, haben ein höheres Erkrankungsrisiko, und Kraftfahrzeugabgase enthalten Schadstoffe.

Dies wird als Indizienbeweis gewertet. Das ESCAPE-Projekt (European Study of Cohorts for Air Pollution Effects) untersucht derzeit die Langzeitwirkung von Luftschadstoffen in Europa. Das Besondere ist, dass die individuelle Schadstoffexposition errechnet werden kann, um so einen genaueren Zusammenhang zwischen Exposition und Risiko herzustellen.

Erste Daten wurden bereits analysiert: Hier bleibt festzuhalten, dass Feinstaub derjenige Luftschadstoff in verkehrsreichen Städten ist, von dem die größten und am breitesten gefächerten Gesundheitsgefahren ausgehen. Das haben die Ergebnisse bestätigt. Mehrere Forschergruppen analysierten dabei Daten aus 22 europäischen Kohorten.

Bei gesunden Probanden, die einer um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter erhöhten Konzentration von PM10-Feinstaub-Partikeln ausgesetzt waren, ergab die Auswertung nach fast 13 Jahren eine höhere Gesamtsterblichkeit um etwa sieben Prozent und ein um 22 Prozent erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Weitere Analysen ergaben, dass Feinstaub, aber auch Stickoxide sich negativ auf die Lungenfunktion auswirken.

Die Ergebnisse der ESCAPE-Studie erhärten den Verdacht, dass Partikel auch unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte gesundheitsschädlich sein können. Für gesunde Menschen sind das Risiko und die abträgliche Wirkung auf die Lungenfunktion gering. Jedoch sind einige Bevölkerungsgruppen stärker gefährdet. Dazu gehören Kleinkinder und Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, COPD, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese bedürfen eines besonderen Schutzes und müssen bei der Festlegung von Grenzwerten berücksichtigt werden.

Jeder aber ist auf Luft zum Atmen angewiesen. Ziel muss es deshalb sein, saubere Luft für alle und überall sicherzustellen. Grenzwerte sind dabei häufig nur ein vernünftiger Kompromiss, das Wünschenswerte mit dem Machbaren zu vereinen. Vieles kann getan werden, um die Luftqualität zu verbessern.

Zu den Maßnahmen gehören neben sauberen Motoren und verkehrsorganisatorischen Maßnahmen ein attraktiver Nahverkehr und Umweltzonen. Eine Verlagerung des Verkehrs an den Messstationen vorbei verlagert das Problem lediglich. Erste Analysen belegen, dass zum Beispiel ausreichend große Umweltzonen tatsächlich die Luftqualität verbessern.

Wir alle können dazu beitragen, dass unsere Luft besser wird, beispielsweise indem wir das Auto einmal stehen lassen.

Prof. Dr. Joachim Heinrich vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität München, formuliert es so: „Saubere Luft zum Atmen ist ein Kulturgut, das durch den Stellenwert materieller und ideeller Werte bestimmt wird, den letztendlich eine Gesellschaft festlegt. Saubere Luft und gesunde Lungen sind dabei eine wesentliche Zielorientierung und sollten zu einem gesamtgesellschaftlichen Anliegen werden.“

Malwettbewerb „Dicke Luft in der Stadt“

Der Deutsche Lungentag e. V., die Charité Berlin und die Akademie der Künste luden Kinder ab Klasse 4 zu einem Zeichen- und Malwettbewerb ein. Wie erleben sie die Berliner Luft, und welche Verbesserungen und Lösungen schlagen sie vor? Anlässlich des Deutschen Lungentages, werden die Bilder am 29. September 2018 in der Charité prämiert und ausgestellt.

Wann: Samstag, 29.9. - 13.15 Uhr
Wo: Charité, Virchowweg 6, 10117 Berlin