Die Deutsche Atemwegsliga engagiert sich gegen die Doppelverordnung. Worum geht es dabei?

Zur Erklärung muss man erst mal die Krankheiten und Medikamente betrachten. Patienten, die unter Asthma oder COPD leiden, werden bevorzugt mit Inhalatoren behandelt. Diese stellen mit ihren Wirkstoffen die Atemwege weit oder wirken entzündungshemmend.

Gegenüber der Verabreichung  über Tabletten oder Spritzen hat die Applikation über Inhalatoren einen klaren Vorteil: Es wird weniger Wirkstoff benötigt, um dieselbe Wirkung zu erreichen. Damit treten auch weniger Nebenwirkungen auf.

In den vergangenen Jahren ist daher eine große Anzahl neuer Inhalatoren auf den Markt gekommen. Da sie jedoch manchmal ähnliche Wirkstoffe enthalten, kann es passieren, dass sie doppelt verschrieben und dann auch doppelt inhaliert werden.

Können Sie die Wirkstoffe genauer erklären?

Atemwegserweiternd wirken die Beta-2-Sympathikomimetika über eine Erschlaffung der Atemwegsmuskulatur und die Anticholinergika über eine Hemmung des Vagusnervs. Inhalative Kortisonpräparate wirken entzündungshemmend. Atemwegserweiternde Medikamente können einzeln oder in Kombination, als kurz- und langwirksame Präparate verordnet werden.

So kann zum Beispiel ein Beta-2-Sympathikomimetikum oder ein Anticholinergikum einzeln und in einer Kombination, also doppelt, verordnet werden. Denn die Namen der Präparate beziehungsweise die Kombinationskomponenten sind dem verordnenden Arzt nicht vertraut.  

Warum bemerken Ärzte das nicht?

Der Grund ist die Vielfalt neuer Medikamente. In den letzten Jahren kamen etliche neue Inhalatoren mit alten und neuen Wirkstoffen sowie Wirkstoffkombinationen auf den Markt. Es ist nicht einfach, die Wirkstoffe aller Medikamente und ihrer Kombinationen zu kennen. Der Hausarzt muss zudem die Medikamente für die Behandlung vieler anderer Erkrankungen kennen. 

Welche Nachteile hat das für den Patienten?

Wenn er den Wirkstoff eines atemwegserweiternden Medikamentes doppelt inhaliert, erhöhen sich auch die Nebenwirkungen. Es kann zum Beispiel zu mehr Nervosität oder zu einem unruhigen, schnellen Herzschlag kommen, der nicht immer ungefährlich ist.

Wie häufig passieren diese Doppelverordnungen?

Wir haben eine Befragung unter Lungenärzten in Praxen und Kliniken und unter Patienten durchgeführt. Danach kommen Doppelverordnungen in fünf bis zehn Prozent der Fälle vor. Diese Zahl ist angesichts der großen Häufigkeit von Asthma und COPD bedeutsam. 

Welche Lösung schlagen Sie vor?

Die Inhalatoren können über Farbmarkierungen voneinander unterschieden werden. Am besten passiert das sogar vereinheitlicht auf europäischer Ebene. Zurzeit haben die Geräte je nach Hersteller unterschiedliche Farben. Das werden wir auch nicht ändern können.

Allerdings haben wir uns diesbezüglich bereits auf der vergangenen Jahrestagung der Deutschen Atemwegsliga zu einem Round Table mit Ärzten, Patienten und Pharmavertretern zusammengesetzt.

Möglich wäre beispielsweise eine Markierung über Ringe, die der Patient selbst zusammen mit dem Arzt oder Apotheker umsetzt. Ein ähnliches Farbsystem gab es bereits bei den Schulungsprogrammen COBRA und NASA für Asthma- und COPD-Patienten.

Wie optimistisch sind Sie, dass Ihr Vorstoß gelingt?

Ich tippe auf einen langwierigen Prozess.

 


Deutsche Atemwegsliga e.V.

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