Seit 2014 sind Sie stolze Doppelmama, was hat sich seitdem in Ihrem Leben verändert?

Ich finde meine beiden Mädchen super. Sie geben Gas und bei uns zu Hause ist immer etwas los. Man muss bei zwei Kindern aber einfach noch organisierter sein und auch die unterschiedlichen Phasen, in denen die Kinder sich befinden, abstimmen.

Die Große ist sehr interessiert an der Kleinen, aber manchmal auch traurig, dass sie von der vorher ungeteilten Aufmerksamkeit nun etwas abgeben muss. Das war anfangs nicht immer leicht – jetzt haben wir uns aber alle aufeinander eingespielt.

Haben sich Ihre Prioritäten verschoben?

Schon bei meiner ersten Tochter habe ich mich beruflich zurückgenommen, und jetzt habe ich viele weitere Sachen zusätzlich ad acta gelegt, weil es einfach nicht vereinbar ist, wie zum Beispiel Reisen fürs Fernsehen. Darauf verzichte ich aber gern, denn die Zeit vergeht so schnell, die Kinder wachsen rasant, und davon möchte ich einfach nichts verpassen.

Kann man das Muttersein mit der Karriere als Eisschnellläuferin vergleichen?

Vergleichen kann man das nicht. Eine kurze Babypause machen und danach wieder aufs Eis, das kam für mich nicht infrage. Mit Anfang 30 habe ich mich bewusst gegen den Leistungssport und für meine Familie entschieden.

Für die Wintersportarten gilt: Je mehr Kondition und Ausdauer nötig ist, desto höher die Asthmaprävalenz – können Sie Ihre Asthmaerkrankung auf Ihren Sport zurückführen?

Meine Erkrankung ist familiär bedingt. Mein Papa litt auch unter Asthma und unter sehr vielen Allergien. Mit vier Jahren musste ich schon das erste Mal zur Reha ans Meer. Ich kam mit der Erkrankung aber ganz gut zurecht, habe Sport gemacht, was ja sehr wichtig für Menschen mit Atemwegserkrankungen ist.

1997 hatte ich dann aber eine Bronchitis, dachte aber, es sei ein Wettkampfhusten, und habe einfach weitergemacht. Durch diese Verschleppung habe ich meine Lunge irreparabel geschädigt.

Wenn die Bäume zu blühen beginnen, die Gräser und Pollen umherfliegen, dann fällt mir das Atmen nicht so leicht.

Wie hat sich das dann ausgewirkt?

Ich musste eine Zwangspause einlegen, wurde gut auf Asthmasprays eingestellt und habe gelernt, meine Grenzen nicht mehr zu überschreiten.

Trotz Asthma haben Sie weitergemacht. War das, im Nachhinein betrachtet, eine gute Entscheidung?

Natürlich, denn das Eisschnelllaufen war meine erste große Liebe meines Lebens. Es war so schön, ich habe mir als Sportlerin alle Träume erfüllen können. Ich bin Weltmeisterin geworden, Olympiasiegerin und habe durch den Sport auch meinen Mann kennengelernt. Es hat so viel Spaß gemacht und ich möchte diese Zeit niemals missen.

Gab es Zeitpunkte, wo Sie die Krankheit in die Knie zwang?

In der Höhe hatte ich immer meine Probleme, da die Luft dünner und extrem trocken ist. Meine Leistung war im Vergleich zu einer Flachlandbahn immer gemindert. Aber ich möchte mich nicht beklagen.

Gab es eine spezielle Therapie?

Die Saison begann Ende Oktober und ging bis März. Kurz vor Weihnachten habe ich auf einzelne Wettkämpfe verzichtet und bin stattdessen nach Lanzarote geflogen, um weg vom Eis in die Sonne zu gehen und wieder richtig durchatmen zu können. Das Küstenklima war super und hat mich für den Rest der Saison fit gemacht – und war auch gut für die Seele.

Asthmatiker müssen in Bewegung bleiben!

Wie beeinflusst die Asthmaerkrankung Ihr aktuelles Leben?

Was mir sehr gut hilft, ist inhalieren. Was ich auch jedem empfehlen kann, ist ein Luftreiniger. Einer steht bei uns im Schlafzimmer und einer im Kinderzimmer. Vor allem nachts möchte ich darauf nicht mehr verzichten.

Was würden Sie den rund 800.000 Asthmaerkrankten in Deutschland raten?

Wenn es möglich ist, würde ich jedem kurze Auszeiten am Meer raten – mildes, maritimes Klima ist super für die Atemwege. Zudem ist Sport und Bewegung sehr wichtig und hilft, die Lunge zu stärken. Wandern oder walken, die Treppe nehmen statt den Lift, spazieren gehen, Fahrrad fahren.

Können Sie Ihre Füße denn vom Eis fernhalten oder was sieht der Karriereplan vor?

Ab und zu laufe ich mit meinem Mann auf dem Eis, aber der Aufwand ist meistens zu groß. Als Ausgleich gehe ich sehr gern joggen und nehme meine kleine Tochter dann auch im Joggingkinderwagen mit. Auch meine Karriere habe ich dem Motto „Kinder, Baby und Gesundheit“ verschrieben.

Ich bin Markenbotschafterin für Hipp, Botschafterin für den „Bunten Kreis“ – eine Institution für Kinder, die sehr krank waren, die hilft, den Übergang vom Krankenhaus in den Alltag zu erleichtern. In diesem Jahr eröffne ich in Salzburg mein eigenes Geschäft, einen Conceptstore. Es gibt Schuhe, Textilien, Accessoires, Möbel und ganz viel Miteinander. Da freue ich mich sehr drauf.