Kam die Diagnose „Lungenkrebs“ aus heiterem Himmel?

Ja, das kam wirklich völlig unerwartet. In der Familie gab und gibt es keinerlei Krebserkrankungen, ich habe auch bis dahin immer sehr viel Sport gemacht, hatte nie irgendwelche Beschwerden – das war schon ein Schock.

Ich habe eines Tages in der Sauna gesessen und so einen Knoten in der Brust bemerkt. Zwei Tage später wurde bei meiner Frauenärztin mittels Mammografie festgestellt, dass es ein Tumor ist. Damit bin ich dann relativ schnell in die Klinik gekommen, vor der OP wurde auch noch mal die Lunge geröntgt – und da wurde dann auch noch was gefunden. Das war also wirklich ein Zufallsbefund, da wäre ich nie draufgekommen.

Da drängt sich die Frage auf, die bestimmt immer zuerst gestellt wird: Haben Sie denn geraucht?

Das ist allerdings wahr, dass das immer zuerst gefragt wird. Und inzwischen muss ich wirklich sagen: Es nervt. Wer sich mal mit dem Thema Lungenkrebs beschäftigt, lernt schnell, dass sich der Zusammenhang Rauchen/Lungenkrebs doch um einiges komplizierter darstellt, als so gemeinhin angenommen wird.

In unserer Selbsthilfegruppe sind viele, die nie geraucht haben; genauso gibt es natürlich viele starke Raucher, die nie Lungenkrebs bekommen. Diese Stigmatisierung nach dem Motto „Wer Lungenkrebs hat, ist selbst schuld“ hilft letztlich niemandem – eher im Gegenteil, denn Vorwürfe und Schuldgefühle braucht nun wirklich kein Krebspatient.

Rauchen hilft nicht, da sind wir uns einig. Noch weniger hilft aber wahrscheinlich das Gefühl „Das habe ich mir selbst eingebrockt!“.

Ganz genau. Wenn ich nicht geraucht hätte, hätte mich der Krebs vielleicht zehn oder 20 Jahre später erwischt – vielleicht hätte ich es aber auch gar nicht mehr erlebt, weil ich schon an irgendwas anderem gestorben wäre. Am Tag der Diagnose habe ich dann aber aufgehört zu rauchen.

Wie sind Sie im ersten Moment mit der Diagnose „Lungenkrebs“ umgegangen?

Tja, wie geht man damit um? In meinem Fall ging das ja wirklich alles ziemlich zack, zack, also da war eigentlich gar keine Zeit, großartig damit „umzugehen“. Ich hatte die Brust-OP – und 14 Tage später war die Lunge dran. Zu irgendeiner „Einstellung“ kam ich erst danach. Da lag ich da und habe mir schon gedacht: „Du hast bisher immer alles geschafft, was du dir vorgenommen hast – das schaffst du jetzt auch!“

Hinzu kam, dass mein Mann ganz große Schwierigkeiten mit der Situation hatte. Der hat ja mehr gelitten als ich! Das klingt vielleicht erst mal komisch, aber mir hat das sehr geholfen. Außerdem war auch noch die Frau eines unserer Söhne im siebten Monat schwanger – also ich musste stark sein! Und das hat mir Kraft gegeben.

Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?

Also, um es kurz zu machen: sehr (lacht).

Machen Sie es ruhig lang! Das klingt nach einer Veränderung zum Positiven.

Absolut! Mein Leben hat sich sehr verändert – vor allem meine Einstellung zum Leben. Ich sehe alles viel positiver. Mein Mann und ich sind während der Therapie den Jakobsweg gegangen, das war wirklich eine ganz tolle und tiefe Erfahrung, die uns beide, unsere Beziehung und auch meine Einstellung zur Krankheit noch mal ganz stark beeinflusst hat.

Also für mich ist heute klar: Ich habe Krebs. Und ich werde den auch nie loswerden. Auch wenn man den jetzt gerade nicht nachweisen kann – einmal Krebs, immer Krebs. Da bleibt eine Zelle zurück im Körper und die versteckt sich irgendwo. Und nach zehn Jahren oder nach drei oder nach 15 Jahren sagt die plötzlich: „Hallo, hier bin ich wieder!“