Von überallher strömten sie. Die Lungenkranken aus Deutschland und dem Ausland. Unbekannte Patienten, aber auch prominente Zeitgenossen. Kompetent behandelt hatte sie Albert Fraenkel, der Pionier der Strophanthintherapie, der in Heidelberg mit dem Speyererhof und der Thoraxklinik wichtige Einrichtungen gegründet hat, die führend waren in der Behandlung von Tuberkulose und Herzinsuffizienz.

Prominente Patienten wie der Philosoph Karl Jaspers und der Dichter Hermann Hesse, mit denen er auch befreundet war, hatte er in Badenweiler behandelt.

Europaweiter Ruf

Schon Anfang des 19. Jahrhunderts begründete die Thoraxklinik so ihren besonderen Ruf, dem sie in ihrer über 100-jährigen Geschichte heute noch gerecht wird – als eine der ältesten und größten Lungenfachkliniken Europas und als Krankenhaus der Maximalversorgung.

Zentrum für pulmonale Hypertonie

Auch heute ist die Thoraxklinik Anlaufstelle für Patienten mit allgemeinen sowie speziellen und seltenen Lungenerkrankungen. So wenden sich heute Betroffene, die an Lungenhochdruck leiden, häufig an Prof. Dr. med. Ekkehard Grünig – einen renommierten Spezialisten, der das Zentrum für pulmonale Hypertonie (PH) an der Klinik in Heidelberg seit 1995 auch international zu einem der größten PH-Zentren aufgebaut hat.

Nicht so berühmt wie Karl Jaspers, aber wahrscheinlich ähnlich verzweifelt wegen ihrer Krankheit ist Kim S. – und deshalb nach einem einjährigen Leidensweg und seit 2009 ebenfalls Patientin in Heidelberg.

Schleichende Krankheit

Bereits als sie 18 Jahre alt war, entwickelte sich ihre Krankheit schleichend. „Ich bemerkte beim Handball plötzlich, dass ich keine Kondition mehr hatte. Das wurde immer schlimmer“, so Kim S. „Ich war bei sämtlichen Ärzten und schier verzweifelt, weil mich keiner ernst nahm. Einer sagte sogar: ,Ein so junges Mädchen kann doch nix haben.‘ Na super. Man will als Patient doch ernst genommen werden. Es ist noch schlimmer, wenn man nicht weiß, warum man krank ist.“

Als sie schließlich sogar beim Sprechen keine Luft mehr bekam, ließ sie sich in Nürnberg einweisen. Dort analysierte man erst ihre schlechten Blutgaswerte und die Übergröße ihres rechten Herzens – und diagnostizierte innerhalb von einem Tag, dass sie an pulmonal arterieller Hypertonie (PAH) litt.

„Ich war psychisch am Ende und musste mental erst wieder aufgebaut werden.“ Medikamentös erhielt sie zuerst zwei Tabletten. Während einer Reha am Klinikum Königstuhl in Heidelberg lernte sie Professor Grünig kennen. „Er hat mich auch medikamentös über viele Jahre sehr gut eingestellt“, so die Patientin. Seit sechs Jahren wird sie nun von ihm betreut.

Umfangreiche Diagnose

Das Zentrum bietet für Patienten mit den verschiedensten Formen des Lungenhochdrucks modernste diagnostische Verfahren und Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören unter anderem Laboranalysen, Lungenfunktion, Herzultraschall, Stressechokardiografie, Kernspintomografie, Rechtsherzkatheter-Untersuchung, Ventilations-Perfusions-Szintigrafie sowie CT-Untersuchung zur genauen Abklärung einer pulmonalen Hypertonie.

Da der Lungenhochdruck in der Regel erst dann diagnostiziert wird, wenn das rechte Herz bereits vergrößert und in seiner Pumpfunktion eingeschränkt ist, bietet die Thoraxklinik zudem als eine der ersten Kliniken der Welt innovative diagnostische Verfahren zur Frühdiagnostik der Erkrankung an, wie die Bestimmung des Lungendrucks mittels Herzultraschall unter Belastung.

Genetische Analyse

„Wir sind eine der ersten Kliniken, die auch eine Familienuntersuchung bei PAH anbieten“, so Grünig. Eine genetische Analyse kann deshalb zusätzlich in Zusammenarbeit mit dem Institut für Humangenetik der Universität Heidelberg durchgeführt werden.

Weiterer Vorteil: Das PH-Zentrum der Thoraxklinik war und ist an der Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren und Therapien für Lungenhochdruck maßgeblich beteiligt und wirkt bei einer Vielzahl an Therapiestudien mit. Ein Schwerpunkt ist zum Beispiel die Untersuchung nichtinvasiver diagnostischer Verfahren, um eine schnellere Diagnose zu ermöglichen.

Gezieltes Training

„Erst im Januar konnten wir außerdem belegen, dass man durch ein spezielles Training sehr gute Therapieergebnisse erreichen und in Ergänzung zur Medikation auch die Herzfunktion entscheidend verbessern kann“, so Grünig.
Das Trainingsprogramm wurde seit 2003 speziell für Patienten mit pulmonaler Hypertonie entwickelt und zweimal mit dem René-Baumgart-Preis sowie 2008 mit dem Sonderpreis für besondere Innovation des Qualitätsförderpreises Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Kontrolle in der Klinik

„Geeignet ist es für Patienten, die mindestens zwei Monate lang stabil unter Medikation eingestellt sind“, so Grünig. „Drei Wochen lang absolvieren sie eine vorsichtige Atem- und Bewegungstherapie und sollen ihre Belastungsgrenzen kennenlernen. Hinzu kommt ein mentales Training. Zu Hause führen sie die Therapie weiter. Die allermeisten Patienten erleben es als sehr positiv, auf diese Weise auch selbst etwas zur Verbesserung ihrer Gesundheit und ihres Befindens beitragen zu können. Regelmäßig kommen sie dann zur Kontrolle erneut in die Klinik.“

Kim S. hat jetzt den Handball gegen das Ergometer getauscht. Bis zu 15 Minuten täglich führt sie das Fahrradergometertraining durch, plus ein wenig Hanteltraining. „Das Schleppen von Getränkekisten oder Putzen im Haushalt strengt mich sehr an. Das geht nur zusammen mit meinem Freund“, so die Patientin.

Erhöhte Lebensqualität

Auch lange Autofahrten sind tabu. Ein Fahrdienst der Thoraxklinik holt sie daher einmal pro Monat aus Köln in das zwei Stunden entfernte Heidelberg. Die Ärzte überprüfen dann ihre Werte und verschreiben ihre lebensnotwendigen Medikamente.

„Natürlich bin ich immer noch chronisch krank“, so die junge Frau. „Aber ich spüre deutlich, dass sich meine Lebensqualität verbessert.“