Wissenschaft und Klinik arbeiten hier eng vernetzt zusammen, um gemeinsam in Diagnose, Therapie und Prävention gegen die häufig lebensbedrohenden Lungenerkrankungen vorzugehen.

Sie sind Leiter des Comprehensive Pneumology Centers. Was verbirgt sich dahinter?

Das CPC wurde 2009 vom Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, dem Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und den Asklepios Fachkliniken München-Gauting etabliert. Wir verfolgen einen sogenannten translationalen Ansatz.

Wissenschaftliche Erkenntnisse werden so schnell wie möglich in eine klinische Behandlung überführt und Erfahrungen aus der Klinik direkt an die Wissenschaftler im Labor weitergegeben.

Welche Mission verfolgt das CPC?

Generell wollen wir in der Lungenforschung grundlagenwissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen und weiterentwickeln, damit sie in neuartigen Diagnoseformen und Therapien für Patienten nutzbar sind. Lungenerkrankungen sind laut WHO global die Todesursache Nummer drei. Und sie nehmen zu.

Aber niemand kennt die genauen Ursachen, und es gibt keine kausalen Therapiemöglichkeiten. In der Öffentlichkeit geht dieses Thema jedoch völlig unter. Außerdem leidet die Gesellschaft auch finanziell unter den Millionensummen an Folgekosten.

Was kann man dagegen unternehmen?

Wir verfolgen mehrere Wege. Über mediale Kampagnen klären wir auf, zum Beispiel über unseren Lungeninformationsdienst im Internet (www.lungeninformationsdienst.de). Oder wir organisieren kostenlose Lungenfunktionsmessungen bei vielen Veranstaltungen. Durch diese einfache Methode bekommt man schnell Sicherheit, dass die Lunge gesund ist.

Mit der Stiftung AtemWeg sammeln wir Gelder für die Forschung. Denn der Mangel an finanziellen Mitteln ist ein weiteres Problem. Für andere Krankheiten, die rein statistisch nicht annähernd so viele Todesfälle verursachen, stehen deutlich mehr Gelder und Aufmerksamkeit zur Verfügung. Diese große Diskrepanz würden wir gern beseitigen. Ein weiteres, entscheidendes Feld ist natürlich die Forschung.

Welche neuen Forschungsansätze kennen Sie zurzeit?

Sehr wichtig ist bei uns in München zum Beispiel die Stammzellenforschung. Werden Stammzellen in die Lunge transplantiert, lassen sich eventuell bisher unaufhaltsame Krankheiten wie Lungenfibrose heilen. Inzwischen gibt es gegen diese Krankheit auch zwei Substanzen, die zugelassen sind und dem Verlust der Lungenfunktion entgegenwirken. Gendefekte, die korrigiert werden, haben im Bereich der zystischen Fibrose zu einer klinisch messbaren Verbesserung der Lungenfunktion geführt.

Wichtig sind auch Organe für die Transplantation, auf die viele Patienten händeringend warten. Produziert werden sie künftig aus gespendeten Organen, in die man Zellen des Patienten pflanzt. Oder sie werden komplett artifiziell aus biokompatiblem Material und einem hochmodernen 3-D-Drucker hergestellt.

Das klingt sehr nach Science-Fiction.

Absolut. Aber wir sind überzeugt, dass das mit kontinuierlicher Forschung vielleicht schon in zehn Jahren möglich ist.