Delhi, Indien: Raja* fühlt sich schon seit Monaten schwach und elend. Irgendwie will auch der Husten nicht mehr verschwinden. „Zu viele Zigaretten wohl“, sagt der junge Lkw-Fahrer und zieht die Schultern hoch. „Um wach zu bleiben“, betont er. Er erzählt nicht, dass er den Job nicht verlieren darf und dass er aus einer sozialen Randgruppe kommt. Da wird man besser nicht krank. So ist er ständig auf den Fernstraßen Indiens unterwegs, um sich und seine Familie ernähren zu können.

Irgendwie eben. Nach ein paar Schuljahren ging nichts mehr. Er brauchte Geld, zog Hilfsjobs an Land, immer mal wieder, nie die gleichen, leichte und schwere, Tag und Nacht. Das Jobangebot von dem Lkw-Unternehmen bezeichnet er als Lottogewinn. Feste Arbeit, festes Gehalt – was will ein junger Mann Anfang 20 mehr? Den Führerschein hatte er nach wenigen Ausbildungsstunden in der Tasche, und als rollender Nomade konnte es losgehen.

Während Raja über diese Zeit spricht, glänzen seine Augen. Bald erkannte Raja, dass er auch hier, genau wie bei seinen Hilfsjobs, unterbezahlt ist. Der Job ist wahrlich kein Zuckerschlecken, denn straffe Zeitpläne gilt es einzuhalten. Mit über sechs Millionen Fahrern stellt die Speditionsindustrie 2,5 Prozent der indischen Erwerbsbevölkerung dar und erwirtschaftet 4,5 bis fünf Prozent (55 bis 60 Milliarden US-Dollar) des Bruttoinlandsprodukts. Die Fernfahrer sind sozusagen das Grundgerüst des indischen Versorgungssystems.

Und genau hier setzt ein Pilotprojekt eines Würzburger Vereins an, das vor zwei Jahren gestartet wurde. Kooperationspartner ist ein lokaler Reifenhersteller. Die von dem Würzburger Hilfswerk unterstützten Sozialarbeiter sammelten Speichelproben bei den Lkw-Fahrern und testeten sie auf TB. Der Anfang war gemacht. Das Vorhaben war so erfolgreich, dass es um weitere elf Monate verlängert wurde. Im März 2018 wird es abgeschlossen sein. Ziel des Programms ist die Aufklärung und Sensibilisierung der Fahrer für die Krankheit sowie die Bedeutung von Hygiene bei der Arbeit.

Weiter ist so die Möglichkeit einer frühzeitigen Diagnose gegeben. Fahrer, Hilfsarbeiter, Zwischenhändler und örtliche Geschäftsleute im Umfeld der Transportunternehmen werden nun regelmäßig via Mundpropaganda, bei Versammlungen und Events informiert und geschult. Das Projekt im Einzugsgebiet von Delhi hat eine Reichweite von bis zu 13.000 Menschen, von denen vermutlich 856 bereits unter Symptomen der Krankheit leiden. Bei 20 Männern wurde TB offiziell diagnostiziert.

Sie werden nun behandelt, das Ansteckungsrisiko für andere wird verringert. Das Kooperationsprojekt ist ein Erfolgsmodell und kommt auch bei der Bevölkerung gut an. Durch entsprechende Aufklärung wissen die Betroffenen, an wen sie sich bei einer auftretenden Erkrankung wenden können. Noch in diesem Monat wird es abgeschlossen sein, eine Weiterführung ist jedoch wahrscheinlich. 

* Name des Lkw-Fahrers von der Redaktion geändert.