Begriffe wie Klimawandel und Treibhauseffekt sind in Deutschland längst ins Bewusstsein gerückt. Der G20-Gipfel hat jedoch gezeigt, das noch nicht überall auf der Welt die Wichtigkeit dieser Problematik angekommen ist. Donald Trump hält die Existenz des Klimawandels beispielsweise für eine Lüge. Als Leiter einer Wetterredaktion beschäftigen Sie sich jeden Tag intensiv mit unserem Klima. Was würden Sie jemandem sagen der den Klimawandel in Frage stellt?

Ich würde ihm Bergschuhe in die Hand drücken und ihn in die Alpen schicken. Der Rückgang der Gletscher ist optisch sehr beeindruckend, und er zeigt auch das große Tempo der Veränderung – das bringt in der Regel mehr als der Blick auf Tabellen und Statistiken.

Aber wer den Klimawandel nicht sehen will, kann selbst da einwenden, dass in der Erdgeschichte schon alles da war – von (fast) völlig vereistem Planet bis hin zu komplett eisfrei. Das Problem ist dabei nur, dass die Änderung derzeit ungewöhnlich schnell geht, und wir mit der gnadenlosen Verbrennung aller fossilen Treibstoffe eine nachhaltige Erwärmung anstoßen, die wir später auch bei komplett CO2-freier Energie nicht mehr so schnell eingefangen kriegen.

Der Treibhauseffekt ist nicht nur aufgrund der Erderwärmung in Zukunft ein Problem, sondern hat auch heute schon gesundheitliche Folgen. Beispielsweise sterben nach Angaben der Weltgesundheits-organisation (WHO) jährlich annähernd sieben Millionen Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung. Wie äußert sich die Luftverschmutzung aus meteorologischer Sicht, welche Zusammenhänge gibt es zwischen dem Wetter und der Feinstaubbelastung?

Wir Meteorologen spüren den Treibhauseffekt in Zusammenhang mit Feinstaub am ehesten, wenn die Inversionslagen im Winter zunehmen. Denn werden die Westwinde über uns insgesamt schwächer, weil sich die Arktis viel schneller erwärmt als die Tropen, dann nehmen auch die windschwachen Hochdrucklagen im Winter zu. Und genau dann ist die Schadstoffbelastung besonders hoch, weil viel geheizt wird und kein nennenswerter Luftmassenaustausch
stattfindet.

Besonders intensiv ist die Luftverschmutzung in Großstädten messbar. Sie leben aktuell in Köln und fahren immer mal wieder in Ihre Heimat nach Innsbruck (Österreich), empfinden Sie die Luft dort als angenehmer?

Natürlich ist die Luft auf einem einsamen, 3000 Meter hohen Gipfel in den Stubaier Alpen sauberer und geruchsfreundlicher als direkt am Autobahnkreuz West in Köln. Aber ich muss zugeben, dass ich kaum mal belastetere Luft eingeatmet habe, als Anfang der 80iger Jahre in Innsbruck im Winter bei Inversionslagen. Da hat jeder fröhlich vor sich hin geheizt, es gab kaum Filter bei Hausbrand und Industrie – und schließlich waren auch die tausenden Dieselmotoren, die stündlich über die Brennerautobahn donnerten, nicht gerade mit der Abgasnorm Euro 6 ausgestattet. Das hat sich in den vergangenen 30 Jahren schon dramatisch gebessert, egal ob in Tirol oder NRW. Dennoch sollte man die Luftverschmutzung natürlich nicht schönreden.

Als Wetter-Moderator sehen Sie häufig die schönsten Landschafts-und Naturbilder. Kann man dabei von Jahr zu Jahr auch Veränderungen erkennen, die durch den Klimawandel ausgelöst wurden?

Wenn ich an die letzten beiden Dezember denke, und an die Bilder, die uns aus den verzweifelten Skiorten kurz vor Weihnachten erreichten – dann schüttelt auch der Fachmann den Kopf: Kein Schnee bis fast 3000 Meter rauf, und das zweimal hintereinander so spät im Jahr – auch das ein Fingerzeig in die (schneearme) Zukunft.

Wo sehen Sie das größte Potential um der Luftverschmutzung vorzubeugen?

Jeder sollte prinzipiell vor seiner Haustüre kehren! Weniger Individualverkehr wäre natürlich ein probates Mittel, würde uns aber alle treffen und uns auch in der (Reise-) Freiheit einschränken. Was ich persönlich aber gar nicht verstehen kann, ist das tatenlose Zusehen bei immer mehr LKW Verkehr auf den Straßen und den inakzeptablen Transfer des Fernverkehrs von der Schiene auf die Straße, weil einfach die Infrastruktur fehlt oder überaltert ist – und das seit vielen, vielen Jahren ohne Hoffnung auf Änderung.

Wie schätzen Sie die Zukunft bezüglich der Luftqualität ein?

Insgesamt sehe ich uns auf einem guten Weg (zumindest was große Teile von Europa betrifft) – sollte der Klimawandel durch weniger Wind und Luftaustausch dagegen arbeiten, müssen wir unsere Anstrengungen für saubere Luft weiter intensivieren, vor allem im Bereich Feinstaub.