Eine langfristige und deshalb wirksame Methode, gerade bei jungen Patienten, ist jedoch die spezifische Immuntherapie.

Wer an einer Allergie erkrankt, kann sich grundsätzlich auf drei verschiedene Arten behandeln lassen. Zuerst einmal über die sogenannte Allergenkarenz. Dabei vermeidet man einfach den Auslöser, sofern man ihn identifizieren konnte. Allerdings ist das nicht immer möglich, weil Patienten zum Beispiel den Pollen im Frühjahr und Sommer, sowie den Hausstaubmilben nicht so einfach ausweichen können.

Erst Heuschnupfen, dann Asthma

Möglich ist außerdem, die Symptome zu behandeln: Der Patient erhält individuell abgestimmte Medikamente. Allerdings wirkt diese Behandlung nicht kausal. Im nächsten Jahr werden die Probleme erneut auftauchen, und aus einem relativ harmlosen Heuschnupfen kann sich sogar leicht ein chronisches Asthma entwickeln.

„Die Ursachen geht man an mit der sogenannten spezifischen Immuntherapie oder Hyposensibilisierung an“, sagt Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und Sprecher im Allergie-Centrum der Ruhr-Universität Bochum.

„Dabei führt man dem Patienten das Allergen in einer modifizierten Form über Tabletten, Tropfen oder Spritzen zu und gewöhnt somit seinen Körper langsam daran. Dadurch macht man das Immunsystem unempfindlicher, sodass der Patient nicht mehr so stark auf das Allergen reagiert.“

Konstante Therapie

Wichtigste Voraussetzung ist bei der Immuntherapie allerdings die regelmäßige Therapie über einen Zeitraum von drei Jahren. Der Patient bekommt erst wöchentlich, später monatlich eine Spritze in den Oberarm oder alternativ täglich eine Tablette beziehungsweise Tropfen. So durchgeführt können Erfolgsquoten von bis zu 90 Prozent bei Pollen- und Milbenallergie erreicht werden.

Der beste Zeitpunkt, um eine solche Therapie zu starten, ist am besten schon im frühen Lebensalter, wenn nicht bereits chronische Schäden oder Asthma entstanden sind. „Bei Kindern starten wir sogar bereits bei Vierjährigen. Nach meiner Erfahrung hilft es wenig, erst mal zu schauen, wie sich das Krankheitsbild entwickelt. Spätestens nach der zweiten symptomatischen Saison würde ich also eine Immuntherapie beginnen.

Begleitend und vor allem in den ersten Jahren wird natürlich auch die symptomatische Behandlung durchgeführt“, sagt Hamelmann. Ziel ist es, bei kleinen Patienten das Immunsystem zu modulieren und dauerhaft zu verändern. Das ist insbesondere im Kindesalter noch sehr plastisch.

Gute Tablettenpräparate für Kinder

Allerdings finden sich bei den Arzneimitteln noch große Unterschiede in Sachen Qualität. Dennoch gibt es heute schon gute Optionen gerade für Kinder, sogar ohne Spritze – zum Beispiel Präparate gegen Gräserpollen. Diese Produkte sind speziell für Kinder geprüft und explizit für diese auch von den Behörden zugelassen.

Dabei wird aktuell versucht, durch die sogenannte Therapieallergene-Verordnung (TAV), die vom Paul-Ehrlich-Institut initiiert wurde, gegen diese vorhandenen Qualitätsunterschiede vorzugehen.

Mit einer Übergangsfrist für die wichtigsten Allergenquellen dürfen in einigen Jahren für die häufigsten auslösenden Allergene nur noch zugelassene Allergenpräparate und keine Individualrezepturen mehr für die Immuntherapie in Verkehr gebracht werden. „Im Grunde ist das eine Marktbereinigung und Qualitätssicherung. Das hat den Vorteil, dass es mehr hochwertige und wirksame Präparate gibt, die den Patienten besser helfen“, sagt Hamelmann.

Belegt durch Studien

Außerdem sind die Hersteller gezwungen, spezielle Studien für die Behandlung von Kindern durchzuführen, von denen es erst wenige gibt. Die Versorgungsqualität bei Kindern und Jugendlichen wird sich also deutlich verbessern. Denn bislang gibt es wenige explizit für Kinder geprüfte und zugelassene Immuntherapiepräparate, und die derzeit auch nur für Gräser.

Momentan sind zwei Tablettenpräparate verfügbar, die explizit in hochwertigen Kinderstudien untersucht und europaweit von den Behörden zugelassen wurden. Von allen gräserpollenallergischen Kindern, die eine Immuntherapie bekommen, werden allerdings nur circa ein Viertel mit diesen beiden Präparaten behandelt, drei Viertel mit Präparaten, die diese Kriterien nicht erfüllen. Es ist also noch Aufklärungsarbeit zu leisten.