Meistens weil beide nicht dieselbe Sprache sprechen. Häufig liegt der Grund aber nicht nur imFachchinesisch, sondern schon in mangelnder Zeit oder dem Willen, dem anderen zuzuhören.

„Kommunikation“ war daher ein zentrales Thema, das Mediziner auf dem diesjährigen Deutschen Ärztetag in Frankfurt beschäftigte. Zwar ist das Lernziel, den Patienten zu verstehen, inzwischen Teil der Ausbildung junger Studenten. Viele bereits etablierte Ärzte haben jedoch noch deutlich Nachholbedarf, wenn es darum geht, im Erstkontakt eine vertrauliche Beziehung herzustellen.

Geschweige denn ein Gespräch mit Fragetechniken zu strukturieren und aktiv zuzuhören. Besonders wichtig kann dies bei komplexen Behandlungen sein, zum Beispiel im Bereich der Atemwege, wo selbst erfahrene Ärzte die Übersicht verlieren können.

„Nehmen Sie 25 Inhalatoren von verschiedenen Herstellern. Legen Sie sie auf einen Haufen und fragen Sie Fachärzte, die drum herumstehen, wie die Geräte bedient werden. Die werden ihre Probleme haben“, sagt Dr. Hans Klose, Leiter der Sektion Pneumologie am Uniklinikum Eppendorf. Nach seiner Erfahrung passieren Patienten in der Bedienung der Geräte schon so simple Fehler wie falsch herum halten, nicht schütteln, sich in die Nase stecken oder vergessen, die Kappe abzunehmen.

Aufgabe des Arztes sei es daher, Hilfe zu geben und Missverständnisse oder auch Ängste während der Kommunikation aufzulösen. Denn im schlimmsten Fall kommt es zur Überdosierung von Medikamenten.

„In der Ambulanz habe ich natürlich den Vorteil, dass ich etwas mehr Zeit habe als viele Kollegen in der Praxis. Im Erstkontakt frage ich meine Patienten, was sie selbst schon über ihre Krankheit wissen und welche Vorurteile sie möglicherweise entwickelten. Erst dann habe ich die Chance, sie während der Therapie auch erfolgreich mitzunehmen.“

Auf eine gemeinsame Therapieentscheidung setzt auch Prof. Dr. Friedemann Geiger, Experte in psychologischer Diagnostik und Forscher auf dem Gebiet der Arzt-Patienten-Kommunikation. „Die Zeiten sind vorbei, in denen der Arzt Symptome abfragte und dann die Therapie verschrieb“, so Geiger. „Aber auch die Gegenbewegung, in der der Arzt zum Informationsdienstleister mutierte und dem Patienten die Entscheidung quasi selbst überließ, war nicht sinnvoll.“

Eine Entscheidung, die dagegen von beiden Seiten erarbeitet und dann geteilt wird, habe zahlreiche Vorteile: Kommuniziert der Arzt mit dem Patienten auf Augenhöhe, fühlt der sich ernst genommen und befolgt eher Therapien. Das steigert den Heilungserfolg.

Da der Betroffene in der Behandlung zufriedener ist, wechselt er außerdem seltener zu einem anderen Mediziner. Das minimiert den Arbeitsaufwand für alle Beteiligten. Ein Mehr an Kommunikation zu Beginn zahlt sich langfristig also aus.

„Kommunikation ist auch eine Art Medikament“, so Geiger. „Und die kann man genauso lernen wie die Wirkungsweise einer Arznei.“ Er empfiehlt zum Beispiel Online-Trainings, die immer professioneller werden. Auf der Kinderkrebsstation der Uniklinik Kiel, an der er tätig ist, kommen aber auch Schulungsunterlagen zum Einsatz. „Gut gemachte Schaubilder, die Kinder und Eltern verstehen, sind besser als kryptische Abbildungen, die nur für den Arzt gedacht sind.“

Auch Dr. Hans Klose glaubt an das Potenzial der neuen Medien, wie zum Beispiel Applikationen für die Messung des Atemstoßes oder Patiententagebücher, die online Daten an den behandelnden Arzt überspielen. „Wenn sie professionell gemacht sind, können sie eine tolle Ergänzung sein. Sie erlauben dann eine weitere Kontaktebene in der Beziehung zwischen Arzt und Patienten.“