Spätestens seit dem Smogalarm in den 70er-Jahren ist es Allgemeinwissen: Schlechte Luft gefährdet die Gesundheit und kann unter anderem zu Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Vielfach wird dem Umweltbundesamt die Frage gestellt, ob die Luftbelastung denn auch in Deutschland noch immer ein Problem sei.

Tatsächlich ist unsere Luft in den letzten Jahrzehnten sehr viel sauberer geworden. Die Konzentrationen des lungengängigen Feinstaubs sanken seit 1990 um ein Drittel, die Ozonwerte erreichen nur noch selten den Alarmwert von 240 µg/m³. Im Vergleich zu den Megacitys in Asien und Südamerika, aber auch zu osteuropäischen Staaten atmen wir saubere Luft.

So ist die Feinstaubbelastung in Städten Bulgariens dreimal, in Indien mehr als zehnmal und in Pakistan sogar 20-mal so hoch wie in Deutschland. Dennoch überschreiten die Feinstaubkonzentrationen in den meisten deutschen Städten die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Werte. Und an etwa 70 Messstationen wird der NO2-Jahresgrenzwert nicht eingehalten. Auch die Ozonkonzentration überschreitet in weiten Teilen Deutschlands mehrmals im Jahr den von der WHO empfohlenen Wert.

Ein wesentlicher Verursacher von Feinstaub und Stickstoffoxiden ist der Straßenverkehr. Daher treten in Ballungsräumen mit hohem Verkehrsaufkommen die größten Luftbelastungen auf. Umweltzonen sollen dafür sorgen, dass nur Fahrzeuge mit dem besten Abgasstandard in die Stadtzentren fahren. Da sich die Technik weiterentwickelt, gilt auch hier, „Stillstand ist Rückschritt“:

Die EURO-6-Fahrzeuge, die derzeit auf den Markt kommen, sollen nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch im realen Verkehr die vorgeschriebenen Abgaswerte einhalten. Sobald es hierfür verbindliche Normen gibt, gilt es, über eine Fortschreibung der Plakettenverordnung nachzudenken und die Umweltzonen weiterzuentwickeln.

Feinstaub stellt aber nicht nur in Innenstädten ein Gesundheitsproblem dar: Durch die Zunahme des Einsatzes von Festbrennstoffen zur Gebäudeheizung nimmt die Belastung an den Stadträndern und auch in Dörfern und Kleinstädten seit einigen Jahren stark zu. Neben lungengängigen Partikeln werden bei der häufig unvollständigen Verbrennung von Holz auch krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in bedenklichem Umfang freigesetzt.

Was gut für das Klima ist, ist in diesem Fall nicht gut für die Luftqualität. Hier müssen wir mit anspruchsvollen Emissionsgrenzwerten auch für kleine Öfen und der Entwicklung von verbraucherfreundlichen Filteranlagen gegensteuern.

Eine weitere Feinstaubquelle stellen die Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft dar. In durch Intensivtierhaltung geprägten Regionen sind diese für einen Großteil der Partikelbildung verantwortlich. In Situationen erhöhter Feinstaubwerte verursacht dort diese Form der Partikelbildung mehr als die Hälfte der Feinstaubbelastung. Abgasreinigungsanlagen und eine unverzügliche Einarbeitung der ausgebrachten Gülle müssen zur Pflicht werden, um dieser Feinstaubquelle im ländlichen Raum entgegenzuwirken.

Unser Ziel muss es sein, die Belastung der Bevölkerung durch Luftschadstoffe – allein der Feinstaub ist für jährlich 47.000 vorzeitige Todesfälle in Deutschland verantwortlich – wesentlich zu verringern. Neben den genannten technischen Maßnahmen spielt hierbei ein verändertes Mobilitätsverhalten eine wesentliche Rolle: Städte müssen fußgängerfreundlich und so gestaltet werden, dass das Auto keinen Nutzervorteil mehr bietet, sondern Fahrrad, Bus und Bahn uns schnell und bequem ans Ziel bringen.

Auch die Landwirtschaft bedarf – nicht nur mit Blick auf die Luftqualität – eines strukturellen Wandels, der durch das Konsumverhalten der Bürger beschleunigt werden kann. Vor allem beim Fleischverzehr sollte gelten: Qualität vor Quantität.

Nach den großen Schritten der Luftreinhaltung im industriellen Bereich, die andere Regionen der Welt noch vor sich haben, bleiben uns also noch viele kleine Schritte zu tun, um in Deutschland „eine signifikante Gefahr durch Luftschadstoffe auszuschließen“, wie es das EU-Programm „Clean Air for Europe“ bereits 2005 gefordert hat.